Kurzkritik: Touri-Renner in London

Touri-Renner in London

Restaurant-Empfehlungen für Touris – abseits der Londoner Gourmet-Tempel

Woche für Woche besuchen Tausende deutscher Touristen London. Die meisten bereiten sich darauf mit einem der gängigen Reiseführer vor oder benutzen dafür Hinweise in deutschen Zeitungen und Magazinen, beispielsweise während der Olympischen Spiele. Dabei tauchen in vielen Publikationen immer wieder dieselben Restaurants auf. Zumeist sind es die großen Touri-Renner, die auch in englischen Touri-Informationen zu finden sind. Einige von ihnen habe ich besucht, mit einem weitgehend ernüchternden Ergebnis.
Zu etlichen Restaurants finden sich in verschiedenen Publikationen identische Informationen, von denen wesentliche Inhalte einer Überprüfung nicht standgehalten haben. Weiterlesen

Restaurantkritik: Marcus Wareing at The Berkeley in London

The Berkeley

ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT EINES GOURMET-RESTAURANTS IM HOTEL „THE BERKELEY“ IN LONDON

Marcus Wareing hat sich für den Standort seines Restaurants eine passende Gegend ausgesucht. Nicht allein, weil er in einem der absoluten Londoner Top-Hotels untergekommen ist, sondern auch weil dieses nur wenige Hundert Meter entfernt vom Nobel-Klamotten-Kaufhaus Harvey Nichols und in dessen Verlängerung von dem englischen Einkaufstempel Harrods liegt. Weiterlesen

Restaurantkritik: The Harwood Arms in London

The Harwood Arms

The Harwood Arms in London: QUIZABEND MIT DEFTIGEN GOURMETSPEISEN

Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor:

Sie betreten ein Gourmet-Lokal, alle Tische – bis auf den von Ihnen reservierten –sind mit Einheimischen im Alter zwischen dreißig und fünfundvierzig besetzt; als Erstes erhalten Sie nicht die Speisekarte, sondern ein Blatt Papier mit den Zahlen von 1 bis 40 sowie ein weiteres mit zehn verschiedenen halbierten Bildern; während des Essens können Sie sich nicht so richtig auf die Speisen konzentrieren, weil Sie in die Beantwortung von 40 Fragen begeistert involviert sind; alles um Sie herum ist quirlig und manchmal laut; Kellnerinnen, die wie normale Gäste ausschauen, stellen Gerichte von achtbarer Größe auf Ihren Tisch, die zudem vielfältig kombiniert sind, weswegen Sie sich damit intensiver beschäftigen müssten, aber es in dieser Atmosphäre gar nicht können, worüber Sie jedoch auch nicht besonders traurig sind, denn alles um Sie herum gefällt Ihnen. Weiterlesen

Restaurantkritik: Afternoon Tea im Claridge´s, The Ritz und The Berkely in London

Afternoon Tea

TRADITION MIT ZEITSCHRANKE

Fast jeder deutsche Besucher Londons wird schon einmal von der englischen Institution des Afternoon Teas gehört, aber die wenigsten werden ihn auch schon einmal ausprobiert haben. Vielleicht lassen sie sich von dem hohen Preis abschrecken, was zumindest auf die Luxushotels zutrifft. In den weniger prominenten Hotels und in einigen Restaurants oder Cafés sind dagegen 30 Euro nun wahrlich kein Abschreckungsgrund. Da zahlreiche Deutsche immer noch den Preis eines Essens in Relation zu seinem Umfang setzen, sei zur Absicherung gesagt, dass man sich bei der Zeremonie eines Afternoon Teas auch satt essen kann. Weiterlesen

Kurzkritik: Food-Maerkte in London

Food-Märkte in London

Food-Maerkte in London: ENGLISCHER ISOLATIONALISMUS UND ESSENS-STIL

Die meisten der europäischen Metropolen haben eine spezifische Eigenart, die ihren Besuchern sofort ins Auge springt. In Paris werden sie von einem Meter auf den anderen in eine Duftwolke eingehüllt, welche aus einem der zahlreichen Parfümerien strömt. In Mailand stolpert der Besucher auf Schritt und Tritt über eines der unzähligen kleinen und größeren Schuhgeschäfte. In London wird er irgendwann in die Falle eines der Fast-Food-Lokale geraten, die sich über weite Strecken wie Perlenketten die Straßen entlangziehen. Er weiß vorher nur nicht, welche Länderküche ihn anziehen wird, denn ihre Vielfalt ist unübersehbar groß. Selbst New York kann mit diesem kosmopolitischen Speisenangebot nicht mithalten. Weiterlesen

Buch-Rezension: Die Food-Berichterstattung in London

Die Food-Berichterstattung in London

Englische Zeitungen und Magazine weit vor den Deutschen

Deutschland hat den „Feinschmecker“ und den „Port Culinaire“, auch das grandiose Magazin „BEEF“ und noch so manch anderes mit umfangreicher Berichterstattung über Restaurants oder über neue kulinarische Entwicklungen. Immer wieder trauen sich wagemutige Verleger an neue Projekte heran, wie den seit drei Jahren in München erscheinenden „foodhunter“. Zudem werden Rezepte in über dreißig verschiedenen Zeitschriften dem geneigten Publikum empfohlen. Die Kochmagazine beanspruchen in den Ständen der Bahnhofsbuchhandlungen mehr Platz als Computermagazine. Sicherlich haben die Kochsendungen auf fast allen Fernsehprogrammen ein ihriges für diesen Hype getan. Allerdings sind die anspruchsvolleren Magazine ganz autark entstanden. Weiterlesen

Kurzkritik: Michelin-Bewertungen in London

St. John

Eigenartige Erfahrungen

Spät in der Nacht, eigentlich schon fast gegen Morgen, berichteten mir, sich ganz klammheimlich umsehend, und dabei die Stimme senkend, auf dass ich mich fast in einer Verschwörung involviert wähnte, zwei Restaurantleiter in Sterne-Lokalen, dass ihr Chef Michelin-Inspektoren kennen würde, die für eine finanzielle Anerkennung positive Berichte schreiben würden. Weiterlesen

Restaurantkritik: The Ledbury London von Brett Graham

Rehlende mit Rote Beete Jus, sowie mit einer Bratwurst aus Rehfleisch und mit Rindermark, einem Selleriepüree und einem hauchdünnen Kartoffel-Gratin nebst weißen Rübchen und schwarzen Johannisbeeren.

The Ledbury London: Ein Aufsteiger mit Potential bis ganz nach oben

Bereits bei meinem Aufenthalt in London vor drei Monaten hatte ich einen Hinweis auf die ungewöhnliche Küche des Ledbury erhalten. In Deutschland stieß ich dann auf einige kurze Zeitungsberichte darüber. Das waren ausreichend Anreize für einen Besuch.

Bereits der 20-minütige Fußweg von der U-Bahn-Station Notting HiIl Gate zum Restaurant ist eindrucksvoll. Er führt über eine kleine Londoner Straße, die zugleich eine der feinsten der Stadt ist, die Ledbury Street: Vorbei an Designergeschäften der bekannten Labels, ordentlich hergerichteten traditionellen Vorstadthäusern, allerdings immer noch mit den grauenhaften englischen Fenstern ausgestattet, vorbei an zahlreichen deutschen Premium-Wagen an den Straßenrändern und etlichen Edelbistros – die passende Ortswahl für ein Gourmet-Restaurant. Weiterlesen

Kurzkritik: St. John , 26 St. John Street, London

St. John

St. John Restaurant: Ein-Sterne-Restaurant, über dem kein guter Stern mehr funkelt

Ich schreibe diesen Kurzbericht, wenn das Essen dieser Lokalität (empfohlen in FAZ, Feinschmecker und anderswo) noch warm ist in meinem Körper. Ich will gar keinen Abstand wahren, ich will meinem Frust freien Lauf lassen. Eigentlich gehört dieses Restaurant mit seinem einen Michelin-Stern nicht in diese Rubrik. Nachdem ich es besucht hatte, war es mir jedoch nicht möglich, darüber eine meiner üblichen Restaurantkritiken zu verfassen. Ich kann mich nicht erinnern, innerhalb der letzten zwanzig Jahre in einem Ein-Sterne-Restaurant derartig schlecht gegessen zu haben. Es gab nur einen einzigen Trost: Nach eineinhalb Stunden war alles vorbei, aber meine Frau und ich sind geradezu von diesem Ort geflüchtet. Weiterlesen

Restaurantkritik: Roganic London von Simon Rogan

Roganic London: THE HOT SHOT IN LONDON

Wir waren fast am Ende unseres vierwöchigen Aufenthaltes in London angelangt, nur noch zwei Tage lagen vor uns, und wir konnten keine Sterne-Küche mehr sehen. Unsere Augen, Nasen, Gaumen und vor allem die Mägen sollten sich ausruhen. Trotzdem mussten wir etwas essen. Da erinnerten wir uns an die Empfehlung eines Chefkochs. Vor einigen Monaten soll der Ein-Sterne-Koch und Inhaber des Restaurants l’enclume aus der nordenglischen Lake-District-Provinz Simon Rogan es gewagt haben, ein kleines Restaurant in dem feinen Londoner Stadtteil Marylebone zu eröffnen. Sein Besuch wäre lohnenswert. Bei meinem Anruf hörte ich nur ein: „Sorry, we are fully booked!“ Weiterlesen

Kurzkritik: Das Koya in London

Koya

Koya London: Eine Perle im Meer der Asiaten

Der Londoner Stadtteil Soho ist Tourismus pur. Vom Zentrum des Vergnügens hat er sich zum Zentrum des schnellen Essens und der internationalen Popmusik gewandelt. Prostitution gibt es noch immer, angekündigt in schmalen Treppenaufgängen durch handgeschriebene Zettel („New Model“), und von den einstmals verrufenen Bars haben sich auch einige in die neue Zeit hineingerettet. Das Bild dieses zentralen Stadtteils bestimmen jedoch vor allem kleine und kleinste, familiengeführte Restaurants. Dazwischen schieben sich internationale Fast-Food-Ketten ein, ebenso wie Pubs und schicke Bars oder trendige Läden jedweder Couleur. Weiterlesen

Kurzkritik: Warum nicht Venedig? – 4. und letzter Teil

London

London: Eine kulinarisch versteckte Liebesgeschichte – der vierte Tag

(hier finden Sie Teil 1, hier Teil 2 und hier Teil 3 der Fortsetzungsgeschichte)

Beim Aufwachen hören wir Regen an unsere Fenster prasseln. Damit erübrigt sich ein frühes Aufstehen. Erneut haben wir den Morgen. Es sind Stunden, in denen wir ohne die Unruhe dieser Metropole und ohne die selbstgewählte Jagd auf etwas Neues nur für uns allein da sind. Wir tauschen unsere Eindrücke aus, berühren uns und finden zueinander. Es liegt ein Zauber über dieser Zeit, indes ist dieser Zauber keine Magie, sondern das Gefühl des Ineinanderübergehens, welches wir für immer bewahren möchten, und von dem wir doch wissen, dass wir es nicht von seinem Ort und seiner Zeit ablösen können, weil es sonst seine Einmaligkeit verlieren würde, hingegen allein diese Einmaligkeit seinen Zauber ausmacht. Weiterlesen

Kurzkritik: Warum nicht Venedig? – Teil 3

London

Eine kulinarisch versteckte Liebesgeschichte – der dritte Tag

(hier finden Sie Teil 1, hier Teil 2 und hier den letzten Teil der Fortsetzungsgeschichte)

Wie immer wache ich am Morgen recht früh auf, und wie immer schläft mein Liebchen noch. Ich drehe mich zu ihrer Seite hin, schmiege mich an ihren Körper, flüstere etwas Zärtliches und spüre, wie Zuneigung in mir aufsteigt. Und dann träume ich zwei Stunden hindurch über mein Glück, geliebt zu werden, bis meine Kleine beginnt aufzuwachen. Ich frage erst gar nicht nach dem Frühstück, lasse Wasser in die große Badewanne unseres Bades ein, und wir setzen uns hinein, ohne an so etwas wie die Zeit zu denken, bis das Klopfen des Room Service uns aufschreckt. Wir stehen auf, und während ich mich anziehe, schiebt mein Liebling die Gardine am Fenster beiseite und fragt mich: Weiterlesen

Kurzkritik: Warum nicht Venedig?

London

London: Eine kulinarisch versteckte Liebesgeschichte

(hier finden Sie Teil 2 , hier Teil 3 und hier den letzten Teil der Fortsetzungsgeschichte)

Es sollte eine Reise für den Gaumen werden. Ich hatte Geld und das Wissen über exzellentes Essen. Jennifer hatte Charme und Intuition. Ich sprach fließend englisch, Jennifer verstand Menschen. Ich hatte die Reise perfekt organisiert. Jennifer versprach sich mehr vom Zufall. Uns verband die Gewissheit, dass kein ungleiches Paar sich so inniglich zueinander hingezogen fühlen könnte wie nur wir beide. Weiterlesen

Kurzkritik: „Ich rufe Sie zurück!“ – eine aktuelle Geschichte zur Olympia 2012 und dem Deutschen Haus in London

London 2012

Olympia 2012 – Zu Gast bei Landsleuten oder der vergebliche Versuch eines deutschen Autors, während der Olympia in London das Deutsche Haus zu besuchen.

 

Olympia 2012: An einem Wochentag möchte ich gegen 17.30 Uhr das in den deutschen Medien breit angekündigte Deutsche Haus besuchen. Es befindet sich im Museum of the Doglands, einige Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Zuerst fahre ich einige Stationen mit der U-Bahn, steige dann für einige Stationen in die obererdig fahrende Dogland-Bahn um, gehe noch einmal zehn Minuten zu Fuß und stehe dann vor dem Eingang des Deutschen Hauses. Zuerst erfolgt eine umfangreiche Sicherheitskontrolle, Weiterlesen