Restaurantkritik: Im Schiffchen bei Jean-Claude Bourgueil

Die Annäherung

Als vor fast 200 Jahren einige deutsche Ingenieure die Begradigung des Rheines vorbereiteten, haben sie einen schrecklichen Fehler gemacht. Sie hatten in ihrer Planung nicht den zukünftigen Autoverkehr bedacht, so dass es heute unmöglich ist, von Bonn durch Köln und dann über den Rhein nach Düsseldorf und von dort bis nach Kaiserswerth bequem mit dem Auto zu fahren, um dabei belebte Uferstreifen, imposante Industrielandschaften und liebliche Schiffskarawanen auf dem Rhein zu genießen. Erst viel, viel später wurde dem Fahrrad dafür eine kleine Schneise geschlagen, indessen, wer ist  schon fähig, nach stundenlanger Schinderei mit dem Radel, im wichtigsten Restaurant von Kaiserswerth, ach was schreibe ich da, in einem der eindrucksvollsten unseres ganzen Landes, sich auf eine der besten deutschen Haute Cuisine zu konzentrieren! Es ist einfach nicht angemessen, dass die Fahrt zu diesem kulinarischen Pilgerort über schnöde Autobahnen und banale Landstraßen führt. Vor dem Genuss der Kochkunst kann doch während der Anfahrt nicht das Abschalten jeglicher ästhetischer Gefühle stehen! Schließlich führt der Weg auch zu jedem nur halbwegs ordentlichen Schlösschen über eine stolze Alleezufahrt und nicht über eine Reihenhaussiedlung. Dabei beherbergt Kaiserswerth nicht bloß ein Schlösschen sondern einen veritablen Palast, und zwar einen für den Adel der Genüsse. Weiterlesen

Restaurantkritik: Victorian in Düsseldorf

Zwei Jahrzehnte war das Victorian unter Günter Scherrer die erste kulinarische Adresse Düsseldorfs. Diese Ära ging vor zehn Jahren zu Ende und es begannen unstete Zeiten. Seitdem Volker Drkosch vor fünf Jahren Patron und Küchenchef wurde, hat er diese traditionelle Adresse wieder kontinuierlich nach vor gebracht. Weiterlesen

Kulinarischer Sterneregen

Kulinarischer Sterneregen

Unternehmer haben es in Deutschland bekanntlich schwer, für ihre Leistung entsprechend Anerkennung zu finden. In den Umfragen nach dem beliebtesten Beruf liegen sie regelmäßig nur auf den hinteren Plätzen. Ganz im Unterschied zu dieser Wahrnehmung sind es die mittelständischen Unternehmerpersönlichkeiten, die Außergewöhnliches auf die Beine stellen. Weiterlesen

Restaurantkritik: Berens am Kai, Düsseldorf, Sternekoch Holger Berens

Berens am Kai

Berens am Kai: H. Berens tischt auf

Düsseldorf und Köln stehen in einem natürlichen Gegensatz zueinander. Die eine Stadt liegt auf der Barbarenseite des Rheins, ist also urdeutsch. Die andere liegt auf der früher römischen Seite, ist also südlich orientiert. Die eine ist schuldenfrei und fein, die andere verschuldet vom Säugling bis zum Greis, jedoch mit einem lebensfrohen Karneval gesegnet. Kulinarisch setzt sich dies logisch fort, denn die eine Stadt verfügt gerade einmal über ein Zwei-Sterne-Restaurant, in der anderen leuchten jedoch ein Drei-Sterne-Tempel und drei Zwei-Sterne-Lokale, bei freundlicher Berücksichtigung des Vorortes Bergisch-Gladbach. Es wurmt die Düsseldorfer, dass sie kulinarisch von Köln abgehängt werden. Deshalb hat sich dort in den letzten Jahren einiges getan, woran Holger Berens einen gewichtigen Anteil hat. Weiterlesen

Restaurantkritik: Saittavini in Düsseldorf, von Michelangelo Saitta

Saittavini in Düsseldorf: Die erste Vinoria

In Düsseldorf ist die Familie Saitta eine Restaurant-Dynastie. Der eine Zweig betreibt mehrere italienische Restaurants und Pizzerien. Der andere, das sind Michelangelo Saitta und sein Sohn Davide Saitta, konzentriert sich vollständig auf ein Genussobjekt: das “Saittavini“. Diese befindet sich in einem Eckhaus, welches bereits mit seiner Architektur eine gediegene Bürgerlichkeit im Inneren verspricht. Auf den verwinkelten Gastraum blinken große Kristalllüstern herab. Kleinere und größere rustikale Tische sind mit hohen Kerzenleuchtern dekoriert, und etliche in den Raum hineinragende Regale mit zahlreichen Weinflaschen erzeugen den Eindruck eines gemütlichen großen Wohnzimmers. Weiterlesen