Kurzkritik: Das Koya in London

Koya

Koya London: Eine Perle im Meer der Asiaten

Der Londoner Stadtteil Soho ist Tourismus pur. Vom Zentrum des Vergnügens hat er sich zum Zentrum des schnellen Essens und der internationalen Popmusik gewandelt. Prostitution gibt es noch immer, angekündigt in schmalen Treppenaufgängen durch handgeschriebene Zettel („New Model“), und von den einstmals verrufenen Bars haben sich auch einige in die neue Zeit hineingerettet. Das Bild dieses zentralen Stadtteils bestimmen jedoch vor allem kleine und kleinste, familiengeführte Restaurants. Dazwischen schieben sich internationale Fast-Food-Ketten ein, ebenso wie Pubs und schicke Bars oder trendige Läden jedweder Couleur. Koya LondonDie Rate der Schließungen und Neueröffnungen ist hoch. Es gibt etliche recht interessante, bistroähnliche Restaurants, aber es bedarf einiger Zeit intensiven Probierens, um darunter eine echte Perle zu entdecken. Bis dahin könnte sich der Magen allerdings schon mehrmals verrenkt haben. Oder es gibt gute Freunde, die wiederum gute Freunde kennen, sodass die Suche sich auf einen effektiven Informationsaustausch beschränkt. In London ist dies die einfachste Methode, Außergewöhnliches von Ungewöhnlichem zu unterscheiden. Wie viel Hunderte japanischer Restaurants wird es in London geben? Ich kann es nicht sagen. Eines der Interessantesten zu finden, verlangt enormen Aufwand oder eben kundige Freunde.

Ich hatte Glück. Ein Hinweis auf das Koya reichte aus, um am nächsten Mittag in der Tür zu stehen. Das Restaurant lebt von Touristen, unter ihnen sind zahlreiche Japaner, die etwas von Udon-Nudeln verstehen, und die anderen müssen wenigsten davon gehört haben. Die typische Touri-Laufkundschaft würde das Lokal glatt übersehen, und wenn dann doch einmal einer von ihnen seinen Kopf durch die Tür in den Speiseraum recken sollte, würde das tourieigene Abwehrsystem sofort reagieren: einfachstes Mobiliar und voller Laden.

KoyaDie Frith Street in Soho ist prall gefüllt mit Fressbuden aller Art, auch einige richtig gute, wie die neben dem Koya (hat die Hausnummer 59) liegende Tapas-Bar Barrafina, aber was ist dieser ganze internationale Nachahmzirkus schon gegen ein unverwechselbares, japanisches Udon-Restaurant!

Die Liebe der Italiener zu ihrer Pasta ist gar nichts, aber auch wirklich gar nichts gegenüber der tiefen Zuneigung der Japaner zu ihren Nudeln. Zur Mittagszeit sind in jeder japanischen Stadt Menschenschlangen vor kleinen Restaurants zu beobachten, in denen nur eine Sorte Gerichte angeboten wird, nur Rahmen-Nudeln oder nur Soba-Nudeln oder eben auch nur Udon-Nudeln. Eine Erläuterung zu den Unterschieden zwischen diesen Nudelsorten findet sich bei Wikipedia besser als durch mich.

 Koya London: Das Essen

KoyaIm Koya ist die Küche offen. Am besten sind die vier Köche und der Spüler von der Bar aus zu beobachten, die direkt am Küchenpass liegt. Die Bar bietet vier Sitzgelegenheiten, eine davon hatte ich mir „erwartet“. Ist ein Gericht fertig, ruft der Chef „Junya“ in den Raum hinein, und in Sekundenschnelle holt eine der Kellnerinnen den Teller bei ihm ab.

Koya London: So wird’s gemacht

Wollen Sie einmal zuschauen, wie mit einem langen und schmalen japanischen Nudelholz Udon-Nudeln geschlagen werden; ist es für Sie sehenswert, wie ein australischer Koch mit einem breiten japanischen Messer hauchdünne Gemüsestreifen zaubert; können Sie mitzittern, wenn ein japanischer Koch mit einer Riesenkelle Flüssigkeiten aus massigen Töpfen in kleinste Kasserolle schaufelt; möchten Sie erleben, wie eine englische Mulattin in kleinen Pfannen mit grotesk nach oben gerichteten Stielen übergroße, farbige Stäbchen zum Wenden kleinster Fleischteile einsetzt; haben Sie Geduld zuzuschauen, wie ein baumlanger, schwarzer Spüler den Köchen immer diejenigen sauberen Gerätschaften reicht, die diese sekundengenau benötigen; haben Sie Interesse, vor Ihren Augen in einer kleinen, spezialisierten Küche eine Atmosphäre zu erleben, die sie an einen abstrakten Tanz der Leiber denken lässt?

RechnungWenn Sie diese Fragen neugierig machen sollten, dann würde sich für Sie das Warten auf eine der vier Sitzgelegenheiten in der Bar des Koya lohnen.

Es gibt auch eine Speisekarte, in Plastik eingeschweißt, und diese noch einmal auf Holz an den Wänden und auch noch eine auf Schiefer mit den Tagesspezialitäten, darauf Udon warm und kalt, mit Tempura, mit Fleisch, mit Gemüse, mit Fisch oder allein bestes Onzenei, einen billigen und einen teuren Sake, bei dem Sie im Lokal gar nicht merken, dass Sie zu viel davon getrunken haben. Und was gibt es noch?

Udon-Nudeln wie in Japan.

Der Michelin für London hat dieses Restaurant mit einem „Bib-Gourmand“ versehen, der Kennzeichnung für besonders günstige Preise bei guter Qualität. Jeder Gast kann dies überprüfen, nur manchmal muss er dafür an der Tür etwas warten; denn Reservierungen kennt das Koya nicht.

 

Koya London: Anschrift

KOYA London
49 Frith Street
London
W1D 4SG

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