Restaurantkritik: Saittavini in Düsseldorf, von Michelangelo Saitta

Saittavini in Düsseldorf: Die erste Vinoria

In Düsseldorf ist die Familie Saitta eine Restaurant-Dynastie. Der eine Zweig betreibt mehrere italienische Restaurants und Pizzerien. Der andere, das sind Michelangelo Saitta und sein Sohn Davide Saitta, konzentriert sich vollständig auf ein Genussobjekt: das “Saittavini“. Diese befindet sich in einem Eckhaus, welches bereits mit seiner Architektur eine gediegene Bürgerlichkeit im Inneren verspricht. Auf den verwinkelten Gastraum blinken große Kristalllüstern herab. Kleinere und größere rustikale Tische sind mit hohen Kerzenleuchtern dekoriert, und etliche in den Raum hineinragende Regale mit zahlreichen Weinflaschen erzeugen den Eindruck eines gemütlichen großen Wohnzimmers.

Saittavini in Düsseldorf

Saittavini in Düsseldorf: Ambiente
Auch an den Wänden befinden sich Regale, aus denen Weinflaschen berühmter italienischer Produzenten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Allerdings sind sie allesamt noch ungeöffnet, was mehr für Renommiergehabe als von Weinkenntnis spricht, denn die Temperaturen in einem Gastraum wirken sich auf die Qualität von Flaschen, die noch dazu stehend gelagert sind, nicht gerade positiv aus. Allerdings trifft Michelangelo Saitta mit dieser Atmosphäre genau das, was der bürgerliche Gast unter italienischer Gemütlichkeit versteht: Entspannte Ungezwungenheit bei zuverlässiger Seriosität mit italienischem Charme und immer einer Spur von Nonchalance.

Saittavini in Düsseldorf: Der Service

Im Service und in der Küche ist das „Saittavini“ ganz italienisch: In beiden Bereichen kommen die Mitarbeiter aus Italien, einige sogar aus Sizilien, der Heimat Michelangelos. Auch die Speisekarte unterscheidet sich von den voluminösen Apparaten der meisten deutschen „Italiener“. Sie ist nämlich bewusst klein gehalten. Der erste Blick mag enttäuschen, denn auf ihr sind nur die üblichen italienischen Gerichte anzutreffen, wie bei den Vorspeisen Carpaccio, Vitello Tonnato oder Minestrone. Allerdings unterscheiden sich etliche in ihrer Qualität von den üblichen Erfahrungen beim „Italiener um die Ecke“. Teilweise bringt Michelangelo Saitta  herausragende Produkt-Qualitäten auf den Tisch. Beispielsweise wird bei dem Piemontesser Bistecca mit frischen Kräutern im Ofen gegart Biofleisch aus dem Piemont eingesetzt und beim Wolfsbarsch in der Salzkruste mit frischen Kräutern gefüllt stammt der Wolfsbarsch aus einem Wildfang. Ebenso ist der San Daniele Schinken perfekt ausgereift.

Allerdings ist die Zubereitung der Speisen nicht auf Gourmet-Ansprüche ausgerichtet. Angesichts der Qualität mancher Ausgangsprodukte mag dies zu bedauern sein, denn die Spannungsbreite der im Produkt steckenden Aromen kann nicht gehoben werden. Ebenso wenig erfolgt eine Variierung mit anderen Elementen, wodurch auf wechselnde sensorische Erlebnisse leider verzichtet wird. Dafür bietet Michelangelo Saitta ein identisches Geschmackserlebnis von einem Knochenende bis zu anderen und vom Kopf bis zum Schwanz, welches auf einer perfekten Garung bester Produkte basiert. Der Gast kann seinen eigenen geradlinigen Genusstrieb vollauf befriedigen und muss keine Anstrengungen unternehmen, um unterschiedliche Gerüche, wechselnde Texturen, abgestufte Temperaturen und mannigfache Aromen zu erleben. Diese Art des Tellers bietet ihm einen weiteren Vorteil. Er kann dazu auch ein und denselben Wein einsetzen, der den konstanten Geschmack des Gerichts begleitet, ohne ihn zu beeinflussen.

Saittavini in Düsseldorf: Die Getränke

Zahlreiche Weine sind ähnlich preisgünstig wie die meisten Gerichte, auch wenn deren Qualität moderat wie die etlicher Gerichte ist. Dafür hat er dann jedoch noch Geld in der Börse, um sich einen echten Knaller zu leisten. Die bietet das „Saittavini“ reichlich. Die Weinkarte enthält über 1.000 Positionen, ist damit jedoch nicht als Gegenpol zum begrenzten Speiseangebot zu verstehen. Das hat zwei Gründe. Zum einen werden sich deutschlandweit nur sehr wenige Restaurants finden, in denen von der Magnumflasche über die Doppelmagnum und den Jéroboam bis hin zur größten Flasche dem Melchior mit 18 Litern, sich alle gängigen Flaschengrößen im Angebot befinden. Auch beim Wein will Michelangelo Saitta Außergewöhnliches bieten. Zum anderen können sämtliche Weine zu einem entsprechend geringerem Preis auch mit nach Hause genommen oder dorthin geliefert werden. In der Kombination von Restaurant und Weinhandel hebt sich in der Rheinregion „Saittavini“ deutlich von den üblichen Italienern ab. Deshalb würde Michelangelo Saitta für sein Etablissement gern einen neuen Namen kreieren: Vinoria! Aber der braucht wohl noch seine Zeit, um sich so richtig durchzusetzen…

Eine weitere Überraschung erwartet den Gast im Untergeschoss. Dort hat Michelangelo inmitten seines Weinkellers einen freien Raum geschaffen, in dem kleinere Gruppen in einer fast schon kontemplativ zu nennenden Atmosphäre herausfinden können, ob es tatsächlich so etwas wie einen Geist im Weine gibt. Ich weiß, dass es ihn gibt, wenn man in diesem Keller mit ein oder zwei Flaschen nur lange genug darüber nachgrübelt.

Saittavini in Düsseldorf: Das Fazit

Das „Saittavini“ ist eine außergewöhnliche Komposition in der deutschen Landschaft der „Italiener“. Für die Gourmandise mögen die Gerichte dieses Restaurants langweilig sein. Für den Gast, der an einem Stück ein anhaltend gleichmäßiges kulinarisches Erlebnis haben möchte, und dazu den vollen Charakter eines herausragenden Weines auskosten will, ist dieses Lokal genau der richtige Ort.

Saittavini in Düsseldorf: Kontaktadresse

Saittavini
Luegallee 79
40545 Düsseldorf

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