Restaurantkritik: The Eight im Hotel Grand Lisboa in Macao

The Eight im Hotel Grand Lisboa in Macao

Eine kleine Übung in chinesischer Konversation

Der Besuch in diesem Restaurant war ein echtes Erlebnis! Allerdings eines von derjenigen Sorte, welches ich niemanden wünsche.

In meiner Erinnerung wird vor allem ein Ausspruch des Marketing Assistenten bleiben, der uns zeitweilig bediente. Dazu einige Auszüge aus meinen Konversationen mit diesem Herrn:

„Hier ist meine Karte für den Küchenchef. Könnte ich bitte auch seine erhalten?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

„Könnte ich eine Kopie der Speisekarte erhalten?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

„Könne ich kurz mit dem Küchenchef sprechen und ein Foto von ihm machen?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

„Wieviel Mitarbeiter sind in Küche und Service tätig?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

„Wir haben ein Menü mit Weinbegleitung gewählt, erhalten aber jeweils nur ein Glas mit 0, 05 Wein?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

„Heute Morgen sind die neuen Bewertungen des Michelin für Hongkong und Macao erschienen. Ist ihr Ranking bestätigt worden?“

„Morgen früh um 9 Uhr wird Sie dazu unsere Marketingdirektorin Eugenia anrufen.“

Die Telefonnummer der Dame Eugenia erhielt ich nicht, aber ich wartete während meines Aufenthaltes in Macao tapfer jeden Morgen um 9 Uhr auf einen Anruf von ihr, bis ich dann in Deutschland ein Mail erhielt, dass der Küchenchef Au viel zu beschäftigt sei, um auf meine Wünsche eingehen zu können.

Verhaltensweisen

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoIch erspare es, meine Eindrücke vom Ambiente wiederzugeben. Größtenteils ist dies eine Frage des individuellen Geschmacks. Was mir in diesem Restaurant auffiel, war auch nicht zuerst das Ambiente, sondern ein Überfall von vier zierlichen chinesischen Kellnerinnen. Wenige Sekunden nachdem wir Platz genommen hatten, bekamen wir die Karte in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung jetzt gleich zu bestellen. Von Getränken war keine Rede. Eine Minute später kam das Amuse, dann wurde unsere Bestellung aufgenommen, und dann kam eine lange Zeit erst einmal gar nichts. Nach einer Stunde kam das erste Wasser, als bereits zwei Gänge mit Weinbegleitung vor uns abgeräumt worden waren.

Der Service war völlig ungeübt. Noch halbvolle Teller wurden uns quasi unter den Händen weggezogen. In einem Glas Wasser kam eine Zitronenscheibe, beim anderen Gast nicht und so ging es immer flott weiter …

Einmalig für ein Restaurant dieses Anspruchs waren die überall auf den Tischen platzierten Salz- und Pfefferstreuer, sowie eine Speisekarte mit peppigen Fotos der Gerichte, wie sie in jedem schlichten Chinesen üblich ist.

Die Speisen

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoWir hatten uns für das hier abgebildete „Signature Dishes Set Menü“ entschieden. Da mir eine Kopie verweigert wurde, habe ich die Karte schamlos entwendet.

Die Fotografien zeigen jeden der acht Gänge. Sie sagen über den Standard des Restaurants schon einiges aus.

Es war für uns ein glücklicher Umstand, dass Küche und Service an der Qualität der Weine nicht viel ändern konnte. Indessen blieb es ihr Geheimnis, weshalb mitten im Menü auf einen roten Bordeaux ein weißer Mosel folgte.

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoDie kleine Abalone beim Amuse war leicht fruchtig aromatisiert. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir nicht wissen, dass sie das Beste an diesem Abend bleiben sollte.

Die Kombination von Huhn und Haifischflossen war handwerklich in Ordnung, nur dass dadurch das Huhn mit Fischaroma durchsetzt war.

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoDas Rindfleischröllchen war geschmacklich genauso, wie es aussah: harmlos. Allerdings reklamierte ich beim Service, dass bei der Tomate hier, so wie auch bei der Tomate auf dem vorherigen Teller, der Blütenstengel nicht herausgeschnitten worden war. Antwort des bereits oben genannten Herrn:

„Ach das ist doch nur Dekoration. Das müssen Sie nicht mitessen.“

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoDie Suppe war genauso wie eine Haifischflossensuppe bei einem ordinärem deutschen Chinesen ist: schleimig und fad! Allerdings muss ich einräumen, dass dies einem weit verbreiteten chinesischen Verständnis von dieser Suppe entspricht, ich also nicht unbedingt europäische Maßstäbe hier anlegen kann. Indessen kann ein Drei – Sterne – Tempel eben nicht eins zu ein den Alltagsgeschmack abbilden.

Vielleicht hatte dieser ungenießbare Gang psychische Auswirkungen auf unsere Einstellung zu den folgenden Gängen, denn sehr viel besser wurde es nicht.

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoHummer mit rohen Paprikastücken; viel Rührei in Soja; keine Hummerzange aber warmes Wasser für die Hände. Trotzdem: Die kleinen Würfel von Schweinefleisch waren ordentlich aromatisiert.

Angeschwenktes Gemüse mit süßen Rosinen in milchiger Soße, wie es eben in so vielen Kantinen serviert wird.

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoNudeln in leichter Essigsoße mit in kleinstmögliche Bestandteile geschredderte Haifischflossen und einer nicht herauszufindenden Fischsorte.

The Eight im Hotel Grand Lisboa in MacaoBeim Eiscreme mit Sojapudding setzte sich unsere die Nächstenliebe durch, denn vielleicht entspricht dies dem chinesischen Geschmack.

Fazit

Ich war zusammen mit drei Freunden Gast dieses Etablissements. Wir hatten gebeten, uns mehr als nur den angebotenen Fingerhut von 0, 05 ltr Wein einzuschenken, so dass wir zusammen statt von 0,2 pro Flasche 0,4  erhielten. Auf der Rechnung waren dann jedoch drei Flaschen extra berechnet. Dies reklamierten wir. Gegen 22 Uhr waren wir die einzigen Gäste. Urplötzlich sprachen die vier Chinesinnen kein einziges Wort Englisch mehr. Ich erhielt dann ein Telefon an das Ohr gehalten, und sollte mit dem Manager sprechen, was ich zurückwies. Wir zahlten und gingen: Erpressung auf chinesisch!

Das Lokal verfügt über maximal 160 Plätze. Während unseres Besuches  war es von 18. 30 Uhr bis 21. 30 mit sicherlich gut 100 Personen gefüllt, die es dann schlagartig verließen. Ich hatte mich bereits in London bei dem chinesischen Hakkasan (dem alten) gewundert, weshalb ein Lokal mit über 100 Plätzen vom Michelin mit einem Stern bewertet werden kann. Bei einer derartigen Größe kann die Küche allabendlich keine Sternequalität mehr ausliefern, vor allem wenn – wie hier erlebt – die Gäste üblicherweise alle gleichzeitig kommen. Die küchentechnischen Bedingungen sind für solche große Mengen anders als für 30 bis 40 Gäste. Schon gar nicht ist dies in einer chinesischen Küche möglich, weil es dort nicht den westlichen Stationsbetrieb gibt, sondern ein Koch zumeist fast alle bestellten Gerichte allein zubereitet. Ein solches Lokal müsste eine große Anzahl hochqualifizierter Köche beschäftigen – und bezahlen! Haben sich die Michelin-Tester einmal in derartigen Küchen umgesehen?

Es ist normal, dass ein einzigartiges Standardwerk wie der Michelin aus unterschiedlicher Sicht kritisiert wird. Das ändert nichts daran, dass er weltweit für die Küchenchefs der wichtigste Maßstab ist. Allerdings habe ich in Paris und in London Restaurants mit völlig unverständlich positiven Bewertungen erlebt, und dies nicht nur als Einzelfall, so dass Zweifel in die Qualifikation der Bewerter aufkamen. Diese Zweifel schlugen in Macao in den Eindruck von Impertinenz um. Die Bewertung dieses Restaurants ist nicht einfach unverständlich sondern eine Unverschämtheit. Die Frage, ob die Bewerter des Michelin in Macao und Hongkong bestechlich sind, habe ich vor Ort mehrfach gehört!

Hinzu kam, dass wir so platziert worden waren, um die Geräusche der Toilette gut zu vernehmen, was bei 100 Gästen nicht ganz so selten vorkam.

Ach, beinahe hätte ich etwas vergessen! Wahrscheinlich wollen Sie jetzt wissen, wie der Michelin dieses Restaurant bewertet: Seit zwei Jahren mit Drei Sternen …

 

The Eight

Hotel Grand Lisboa
2/ f of Grand Lisboa Hotel
Avenida de Lisboa
Macao

www.grandlisboahotel.com

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