Restaurantkritik: Rotonda Restaurant in Köln

Rotonda Restaurant – Ein Geschaeftsclub öffnet seine gute Küche dem Publikum

Als vor 13 Jahren der erste richtige, weil stationäre Geschäftsclub in Koeln eröffnet wurde, a gab es mancherlei Zweifel. Heute sind diese verflogen, denn der Rotonda-Club hat nicht allein so etliche halbherzige Nachahmer überlebt, sondern er gehört mit über 800 Mitgliedern auch deutschlandweit zu den größten Geschäftsclubs.

Rotonda RestaurantVon Anfang an setzte der rührige Initiator Andreas Grosz auf das Konzept eines gehobenen Restaurants. Wenn jährlich über 40 Clubveranstaltungen durchgeführt -, Vernissagen angeboten – und eine internationale Kontaktbörse angeboten werden, dann ist dies nur mit einem bestens geführten Restaurantbetrieb möglich. Allerdings hat sich das Konzept im Laufe der Zeit in einem Punkt wesentlich verändert. Der Club und damit auch sein Restaurant sind Mitglied in der deutschen Sektion von slow food geworden, und haben den Einkauf ihrer Produkte entsprechend angepasst. Die stammen bei Fleisch weitgehend aus zertifizierter Bio-Qualität (über die Naturmetzgerei Hennes in Köln), bei Gemüse aus regionalem Anbau und aus zertifiziertem Wildfang bei Fisch.

Ursprünglich war das Restaurant nur Clubmitgliedern und deren Gästen vorbehalten. Seit einigen Monaten steht es ab 18 Uhr auch dem breitem Publikum zur Verfügung. Da dies für direkt zu einem Geschäftsclub gehörende Restaurants recht selten der Fall ist, bestand für mich ein Interesse, die Qualität des Restaurants zu testen.

Rotonda Restaurant: Ambiente – business like aber mit schöner Terrasse (wenn die Sonne scheint …)

Rotonda in KölnDie Rotonda ist ein mehrstöckiger moderner und runder Zweckbau, in welchem außer dem Restaurant etliche Besprechungs- und Tagungsräume sowie anmietbare Büros untergebracht sind. Das Restaurant bietet 50 Plätze. Im Sommer steht eine Terrasse mit ebenso vielen Plätzen zur Verfügung. Alles ist hell und zweckmäßig eingerichtet. Der einzige Schmuck besteht in Bildern der wechselnden Ausstellungen an den Wänden. Die Kunst benötigt Mäzenatentum und die Wirtschaft benötigt die Kunst als Entkopplung von der Geschwindigkeit und dem Inhalt des Geschäftslebens.

Und was für Köln extrem wichtig ist: Der Club verfügt über eine eigene Tiefgarage, wodurch das in dieser Stadt – wie woanders auch – leidige Parkproblem vor Gaststätten bei dem Restaurant Rotonda nicht existiert.

Rotonda Restaurant: Küchenleistung – gehoben und geradlinig aber mit exzellenten Sushi-Angebot

Rotonda in KölnDie Bio-Ausrichtung beginnt bereits beim Brot. Es wird keine Weißbrot sondern nur dunkleres Bio-Brot gereicht. Die Karte wechselt entsprechend den Jahreszeiten.

Für zwei Gerichte ist das Restaurant weit in Kölner Geschäftskreisen hinein populär geworden: Sushi zu jeder Jahreszeit und Gans im November und Dezember, beide – wie man in Köln vornehm sagt – auch „to go“. Dafür hatte ich nicht die Absicht. Meine Frau und ich probierten die Gans und den Hirschkalbrücken, zuvor jedoch den Feldsalat mit Burrata, Basilikum und Tomate sowie eine Waldpilzsuppe mit geräucherter Gänsebrust.
Der Feldsalat war ganz klassisch angerichtet, sogar das einstmals auch in Gourmet-Restaurants weitverbreitete frittierte Basilikumblatt war auf eine Basilikumcrem aufgesteckt, welche auf eine kleine Tomate aufgelegt war. Die Burrata wies eine Top-Qualität auf. Burrata wird eigentlich wie Mozzarella (Filata-Verahren) hergestellt, jedoch mit zwei Unterschieden.

Rotonda in KölnEs wird normale Kuhmilch verwendet, also niemals Büffelmilch wie bei echtem Mozzarella Büffelmilch und das Innere bleibt cremig, manchmal auch mit kleinen Butterstücken, was hier der Fall war. Der Feldsalat mit einem zurückhaltendem Dressing angemacht und ein cremiger Burrata ergeben ein harmonisches Geschmackserlebnis, welches sich von dem seiner beiden Teile deutlich unterscheidet.

Die erste Wahrnehmung der Suppe war ein deutlicher Duft nach Wald und Pilzen. Mit dem ersten Löffel erhielt diese Aromaerinnerung eine zusätzliche Komponente, weil die Suppe von den Räuchernoten der Gänseteile eine aromatische Färbung erfahren hatte, wodurch sie mehr aromatische Breite erhielt. Leider auch etwas von der Salzprägung der Räucherung angenommen. Ihre cremige Konsistenz wurde erweitert durch die etwas Rotonda in Kölnfestere Struktur eingelegter Pilzstücke und die noch festere Textur der Gänseteilchen. Damit wird die Suppe nicht einfach – wie in derartigen Restaurants üblich – so weggelöffelt, sondern sie kann abwechslungsreich aufgenommen werden.

Die Gans mit Rotkohl und Kartoffelbällchen kam als ein Stück Brust und ein Stück Keule. Leider war dem Koch ein für Geflügel typisches Missgeschick passiert. Die Brust war zart und die Keule hart. Das war kurios, weil es normalerweise genau umgekehrt passiert.

Rotonda in KölnDurch eine gleiche Garung für alle Teile leidet die Brust, die weniger Zeit benötigt. Das Rotkraut hatte er leicht angeschmort und sehr zurückhaltend mit Portwein und Essig aromatisiert. Zwar waren die Röstaromen nur sehr schwach zu spüren, aber das war genau die richtige Dosierung, um die Essigtöne in Balance zu halten. Die bei Gänsebraten wohl unumgänglichen Maronen waren weich, was in normalen Restaurants eher die Ausnahme ist. Die Kartoffelmusbällchen waren schonen frittiert, ohne Nachklang von Öl und Innen leicht würzig. Ebenso passte die Sauce, obgleich ich bei den zahlreichen Gänsebraten, denen ich mich in dieser Jahreszeit unterziehen muss, schon froh bin, wenn ich nicht eine schleimige Substanz auf dem Teller erblicke. Es war bis dahin mein bester Gänsebraten der Saison, was indessen einiges über die Qualität der anderen aussagt.

Ebenso wie die Gans war auch der Hirschkalbsrücken mit Trüffeljus, Süßkartoffeln und Rotkohl-Chutney in Komposition und Zubereitung traditionell. Das Fleisch war mit einem rosa Kern perfekt gebraten, die Süßkartoffeln waren als leichte Creme mit einer gewissen Süße zubereitet und der Rotkohl entsprach dem des Gänsebratens. Die Frage, wo der Chutney-Effekt und das Trüffelaroma (aus der Beschreibung des Gerichts auf der Karte) geblieben waren, habe ich unterdrückt, denn auch so war der Teller ordentlich geraten.
Das Dessertangebot ist mit einer Crème brulée und verschiedenen Kuchen recht schmal. Vielleicht ist dies noch der früheren Konzentration auf das Lunch-Geschäft geschuldet, sollte sich aber abends gegenüber dem breiteren Publikum erweitern lassen.

Rotonda in KölnEinen Tag später probierte ich auch die Sushis. Der Küchenchef Michael Strassfeld ist bereits seit über zehn Jahren im Rotonda. Seine Fähigkeiten in der präzisen Zubereitung von Sushis hat er sich bei einem sechsmonatigen Kurs an der Sushi-Academy in Los Angeles erworben. Das zeigt sich dann in der Qualität seiner Sushis. Strassfeld berücksichtigt einen recht einfachen aber zugleich auch entscheidenden Grundsatz in der Sushi-Zubereitung, der in der massenhaften Sushi-Produktion für einfache Restaurants und Supermärkte keine Geltung hat: Nur exzellente Fischqualität und nur frisch hergestellt. Auf dieser Basis ist seine Standard-Sushi-Variation mit Sashimi, Californiarolls und klassischen Nigiri-Sushi nicht nur ein Appetithappen sondern eine echte japanische Speise.

Es wäre falsch, an das Rotonda die Messlatte für ein Gourmet-Restaurant anzulegen. Michael Strassfeld versucht auch erst gar nicht, spektakulär zu kochen. Für seine Klientel kocht er auf einem erfreulich hohen Niveau. Allerdings ist das Weinangebot durchaus spektakulär zu nennen. Das Angebot ist zwar nicht riesig, dafür werden aber exzellente Güter für einen ungemein günstigen Preis vorgehalten.

 

Anschrift

Rotonda Restaurant
Pantaleonswall 27
50676 Köln

Weiterführende Links