Restaurantkritik: Restaurant im Hotel Chateau d’Ouchy in Lausanne

Restaurant im Hotel Chateau d’Ouchy in Lausanne

Gewaltige Historie

Nur wenige Meter von der Uferpromenade und den Anlegestegen der Schiffe zwischen Lausanne und den anderen Städten am Genfer See ragt ein massiger Turm aus der Umgebung hervor. Bereits im 12. Jahrhundert befand sich hier eine Burg, und später ein Schloss, von dem vor allem dieser Bergfried übriggeblieben ist. Heute befindet sich in jeder seiner drei Etagen ein einzige Suite, aber mit „turmhohen Räumen, denn der Turm ist zu einem Hotel geworden. Vor der obersten Etage aus biete ein 360 Grad Rundblick das, was jeder Tourist ohne zu zögern wahrlich traumhaft nennen würde. Um den Turm herum sind architektonisch sehr geschickt weitere Räumlichkeiten angebaut worden. Beispielsweise ist das Dach der Bar vollständig verglast und bietet einen imposanten Blick auf den Turm.

Auch ein Restaurant gehört dazu, dass bei unserem Besuch an einem Mittwochabend im September 2013 recht gut war. Es wird hauptsächlich von Familien und Pärchen aus der Umgebung frequentiert, die kein Geld für eine Sterneküche aufwenden können, aber eine gehobene Gediegenheit und kulinarische Übersichtlichkeit bevorzugen. Dafür ist es auch bestens geeignet. Zumal es über einen perfekten Service verfügt (wenngleich der Restaurantleiter gerade dabei ist, sich mit einer Pizzeria selbständig zu machen) und auch der junge sympathische Küchenchef Stefano Butti bei einem Sternekoch sein Handwerk gelernt hat. Ich konnte ebenfalls mit dem sehr entgegenkommenden Hotelchef sprechen, Pablo Pizarro, der sein kleines „Reich“ vorbildlich in Schuss hat!
Das Restaurant ist hell und bequem eingerichtet, besser als so manche vergleichbare deutsche.

Die Speisen

Restaurant im Hotel Chateau d’Ouchy in LausanneIch gebe hier die Speisekarte vom Herbst 2013 wieder. Sie ist für die Bedürfnisse der dort Genuss suchenden Gäste recht ordentlich aufbereitet. Wenn das Restaurant gefüllt ist, müssen sich die drei, vier Köche in der Küche ziemlich nach der Decke strecken, um alle Bestellungen zügig herauszubekommen. Bei unserem Besuch klappte dies – bis auf einen Gang – problemlos.

Es gab sogar ein kleines Amuse. Ein Tomaten Mille – feuille mit Thunfisch, Krabbenfleisch und Avocado sowie einem beigefügtem Krabbenstück und kleinen essbaren Blüten von Stiefmütterchen. Das sah gut aus, brachte aber dasselbe Problem wie alle „Turmbauten“ mit sich. Einmal mit dem Messer angedrückt und alles fließt aus den Seiten heraus. Indessen war es gut gemeint!

Das Brotangebot und die Butter waren von einer über den Rahmen derartiger Restaurants hinausgehenden Qualität.

Ich hatte mir ein Vitello Tonnato mit grüner Sauce und Bottarga bestellt, denn Bottarga wird in Deutschland selbst von Italienern leider nur sehr selten eingesetzt. Hier kam der Bottarga aus Sardinien. Das Fleisch war perfekt, aber da es in großen Stücken geschnitten war, die jedoch vollständig mit Sauce bedeckt, wodurch ihre Konturen nicht zu erkennen waren, hatte ich an der Gabel lange Fleischscheiben, die herunterhingen und von denen die Sauce tropfte. Erneut hatte der Koch ein wenig zu viel des Guten getan. Die Sauce war mit einem Saft von grünem Salat gefärbt und mit Wasabi abgeschmeckt. Schade, dass der Bottarga in Stücken aufgelegt und nicht hauchdünn gehobelt worden war. Jeder, der auch nur einmal Bottarga gegessen hat, weiß, was dies bedeutet. Auch die Kapern waren von einer größeren Sorte, was ihre Wirksamkeit einschränkte. Insgesamt kann dieses Vitello Tonnato eine kulinarische Alternative zum üblichen Standardgericht sein, was durchaus zu begrüßen ist, wenn die Proportionen und die geschmacklichen Abstimmungen besser herausgearbeitet werden.

Eine Linsensuppe kam zusammen mit einem Stück gerösteten Baguette auf das dicke kleine Stücke von Kaninchenfleisch aufgelegt waren. Das Erfreuliche bestand darin, dass diese Suppe nicht angedickt worden war, allerdings dominierte in ihrer dünnen Konsistenz stark der aufgelegt Film von Olivenöl. Wäre das Baguette und das Fleisch – wie geplant vom Koch – warm an unserem Tisch gekommen, hätte es mit seiner ordentlich rustikalen Verfassung gut zur Suppe gepasst.

Die optisch eindrucksvollen gefüllten Zucchiniblüten versprachen ungemein viel. Als Augenweise waren sie prima gelungen und beliebt bei den Gästen. Allerdings hatte der Koch sich bei der Würzung der Fleischfarce arg zurückgehalten, dafür jedoch die Safranemulsion energisch tomatisiert.

Bei den Filets vom Ferá du Lac Léman hatte ich den Eindruck, dass der Koch durch eine riesige Portion manchen vorherigen Eindruck wieder wettmachen wollte. Zumindest gelang ihm dies mit der schieren Menge an Filets, welche möglicherweise eine Art Felchen waren. Sie waren bestens gebraten und geschmacklich exzellent. Da ich den Teller etwas schräg anhob, konnte das Öl zur tiefsten Stelle gleiten, und dadurch die Fische nicht weiter belästigen.

Zwischen Sternküche und Fast Food gibt es eine ungemein große Spanne für innovative kleine Lokale. Das Restaurant im Chateau d‘Ouchy liegt in der Mitte dieser Spanne, wenn e vermag, diese auszufüllen.

Chateau d’Ouchy
Place du Port 2
1000 Lausanne 6
Schweiz

www.chateaudouchy.ch