Restaurantkritik: Rafael in Lima

Das „Le Moissonnier“ von Lima

Das „Rafael“ liegt in der Liste der „50 besten Südamerikanischen“ auf dem 13. Platz, unter den besten des innerperuanischen „Summum“ Rankings aber klar auf dem 2. Platz.

Es befindet sich in einer eher abgelegenen kleinen Straße, und von außen nimmt sich sein Gebäude zwar recht bunt aber nicht imposant aus. Es ist auf eine Länderküche ausgerichtet, italienisch (wenngleich nicht absolut) und hat mittags wie abends geöffnet. In manchem erinnert es an das berühmte „Le Moissonnier“ in Köln, auch wenn es dessen Zwei Sterne Küche nicht erreicht.

Ambiente

Restaurantkritik: Rafael in LimaDer Speiseraum ist zweigeteilt, in einen Barbereich mit einfachen Tischen und in einen etwas nobleren Speisebereich mit fein gedeckten Tischen, recht gutem Geschirr und besten Gläsern, großen Wandspiegeln und modernen Gemälden bzw. Zeichnungen. Die Wand zum Barbereich besteht aus auf edelgetrimmten Ziegelsteinen. Alles soll Seriosität und Noblesse ausstrahlen. Mit diesem Innendesign könnte das „Rafael“ überall in Europa als gehobenes Geschäftsrestaurant durchgehen. In Lima ist es jedoch eine Besonderheit.

Die Speisen

Wir waren zum Lunch im „Rafael“. Nach fünf Tagen Restauranttest, zumeist mittags und abends, sowie teilweise recht ungewöhnlicher Speisen, war unsere Fähigkeit, die Karte zu testen, eindeutig begrenzt. Allerdings trafen wir auf einen verständnisvollen Kellner, mit dem wir ein Abkommen trafen. Wir würden zwei Vorspeisen und vier Hauptspeisen probieren, diese aber in kleinen Portionen erhalten. Die Karte war riesig, was uns eigentlich immer misstrauisch macht. Zudem gab es noch eine extra Tapas –und eine Dessert – Karte. Wir suchten uns interessieren Gerichte heraus, die zugleich einen gewissen Mix der Küchenleistung sein sollten.

Veal Sweetbreads with pea pureé, black truffle butter, quails eggs and „Pedro Ximenez“ glaze

Restaurantkritik: Rafael in LimaEin optisch eindrucksvoller Teller, Bries bestens zubereitet, Erbsencreme buttrig – weniger wäre mehr gewesen -, leichte Bitternoten vom Salat als Gegengewicht zur Creme, leicht säuerliche Noten von kleinen Kapern zum Ei, insgesamt gelungen.

Duck foie gras and bull crab spring rolls with wild mushrooms, spring onions and peach vietnamese dip

Sollte eine sehr innovative Kreation sein, heraus kam in Teller mit so verwirrend vielen „Beilagen“ (Passionsfrucht, Rosinen, Tomaten, Salat, Pilze, Zwiebeln), dass sehr dünne foie gras nicht mehr richtig wirken konnte und zudem alles in Öl erstickte, Proportionen müssten ausgewogener zusammengestellt werden.

„Arroz con Pato“: classic peruvian coriander and chili rice with braised stew duck slowly cooked in black beer, and „criolla“ onion relish

Restaurantkritik: Rafael in LimaOptisch ein ansprechender Teller, die Proportionen zwischen Fleisch, Gemüse, Salat und Reis passten, zu viel Öl, besonders geeignet für Liebhaber frischen Korianders.

Braised baby milk fed goat with Madeira, crisp fried rice with mashed butter beans and toast bananas

Ein auf Haute Cuisine gemachter im Kern jedoch rustikaler Teller, zu dünne Fleischstreifen so dass Eigenart der Ziege nicht herauskam, knuspriger Bananenreis bestens, perfekte Jus, aber insgesamt zu viel Öl, leicht säuerlich-süße Töne.

Creamy polenta with sirloin steak & veal T-Bone ragu, mascarpone & wild mushrooms cream

Restaurantkritik: Rafael in LimaBei weitem der beste Teller, optisch eher verwirrend war die Grundkomponente Polenta cremig und harmonisch abgeschmeckt, die dünnen und zugleich zarten Fleischscheiben nicht zu kräftig gewürzt, so dass sich der Maisgeschmack, Käse, Pilzcreme und Ragu nicht gegenseitig behinderten. Es ergaben sich angenehme aromatische Übergänge. Diese Kreation war eine echte Entdeckung!

“Tacu –tacu mar y montana”: classic Peruvian of sautée mixed rice and puy lentils with pan fried foie gras, shrimps, scallops and roast bananas

Eine ungemein vielfältige Kombination auf der Grundidee der Verbindung von peruanischer und französischer Küche, allerdings nicht bis zum Ende gelungen, denn dunkle Jus und feine Gambas sowie Jakobsmuscheln widersetzen sich, auch die Proportionen strebten auseinander, eindeutig zu viel des Guten.

Fazit

IRestaurantkritik: Rafael in Limam Vergleich zu anderen Restaurants mit international innovativem Anspruch in Lima ist das „Rafael“ weniger innovativ, was aber auch nicht seine Absicht ist. Es will mit bekannten Gerichten und einigen ausgefallenen Kombinationen eine stabile Küchenleistung auf hohem Niveau anbieten. Für das Sternesegment in Deutschland wäre dies eine gute Basis, die noch durch mehr Perfektion und Beständigkeit untermauert werden müsste. Allerdings ist gerade diese sich an die Haute Cuisine annähernde Perfektion eine der Problemzonen Südamerikas, weil sie sich nicht parallel zum Nationalcharakter bewegt. Wie in den meisten der von uns besuchten Restaurants hören sich die Bezeichnungen der Gerichte bzw. Teller zuerst einmal aufregend oder großartig an. Ihre Umsetzung fällt dann weniger gekonnt aus. Der Anspruch ist international, die handwerkliche Leistung national.

Trotzdem will ich nicht unterschätzen, dass die Küche des Rafaels sowohl wegen ihrer italienischen Ausrichtung als auch wegen ihrer enormen Auswahlmöglichkeiten ungemein beliebt bei Geschäftsleuten, Künstlern oder höheren Angestellten ist. Da nur wenige Touris nach Lima kommen, und unter diesen sich kaum Gourmets befinden, ist der internationale Austausch geringer als beispielsweise in Deutschland, was am Niveau der international orientierten Restaurants zu spüren ist.

Rafael
San Martin 300
Miraflores
Lima
Perú

www.rafaelosterling.pe

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