Restaurantkritik: Olympe und Satyricon in Rio de Janeiro

Was haben Sie dem  Namen der französischen Haute Cuisine angetan!

Jeden Gourmet erfüllt der Name Troisgros mit einem wohligen Klang. Vor 35 Jahren verließ das Familienmitglied Claude das beschauliche heimatliche Städtchen Roanne, um in Rio sein Glück zu suchen. Nachvollziehbare Gründe gab es dafür allemal. Angesichts des in Rio im Vergleich zum Rande der französischen Alpen weitaus angenehmeren Klimas, des überbordenden Temperaments der Bewohner sowie der Chancen eines wirtschaftlichen Aufschwungs innerhalb einer unterentwickelten Gastronomie hätten eigentlich noch weitaus mehr französische Spitzenköche nach Brasilien gehen sollen. Mit vier Lokalen und einer Fleischerei hat Claude Troisgros wahrscheinlich auch seinen wirtschaftlichen Erfolg gefunden. Sein kulinarischer Tempel, das „Olympe“, ist immerhin auf dem 35. Platz der besten Lateinamerikanischen Restaurants gesetzt.

Es begann bereits verheerend! Anstelle einer normalen Taxizeit von 10 Minuten zwischen unserem Hotel und dem „Olympe“ benötigten wir 35 Minuten und verschlissen dabei drei Taxifahrer. Wahrscheinlich wird das „Olympe“ selbst für brasilianische Gourmets ein Geheimtyp sein.

Olympe Im Restaurant waren Vater und Sohn Troisgros nicht anwesend, womit unsere französischen Sprachkenntnisse nutzlos waren. Keiner der Kellner sprach englisch, wir sprachen nicht portugiesisch, das Spanisch meiner Frau stieß auch auf kein Entgegenkommen, aber es gab eine englische Karte, die jedoch den Abend auch nicht rettete.

Während unseres Besuches wurden vier verschiedene Menüs angeboten: Tradition, Creativity, Vegetarian und Confiance. Wir wollten die Kreativität der brasilianischen Troisgros erleben!

Olympe Wir hatten zwei eindrucksvolle Erlebnisse: Das Beste, was von diesem Restaurant zu berichten ist, dass trotz einer klitzekleinen Küche alle Gerichte sehr schnell hintereinander an den Tisch kamen. Das Zweitbeste war die optische Aufmachung der Teller, die tatsächlich eine gewisse Affinität zur Haute Cuisine hatte.

Darüber hinaus erlebten wir einen sonderbaren Abend:

  • Fois gras: zu große Salzkristalle, grässlicher brasilianischer Schnaps, belangloser Geschmack der Fois gras und streng süßer Zucker
  • Watermelon: säuerlich und zugleich mit Miso mariniert, fetter Zuchtlachs
  • Blue Potato Gnocchi: öde und gummiartig
  • Crispy Langostin: innen noch saftig, nach Anis schmeckende süß-saure Kartoffeln
  • Slipper Lobster: buttrig ölig mit Vanilleemulsion
  • Sole: erdig, sauer und ölig, habe nicht begriffen, wie der Koch diese unterschiedlichen Aromen dort hineinbekommen hat
  • Crunchy Suckling Pig Confit: noch leicht saftig, kaum Röstaromen, kein Eigengeschmack, Sauce bleibt an Löffel kleben
  • Wagyu: an der Oberfläche leicht verbrannt, völlig durch, Yuca mit Honig, Bohnenpüree mit Anis, ob der Koch dies wohl jemals selber probiert hat?
  • Crepes Passion: wie Empanada, siehe die beiden Fotos!
  • Bruleé and Chocolat: Schokocreme hatte deutlichen Konservengeschmack, total überzuckert

Fazit

Olympe Service und Köche waren ausgesprochen freundlich zu uns, auch wenn wir nur mit Wortbrocken, Handzeichen und Gesichtsausdrücken kommunizieren konnten. An der Kombination der Teller war auch durchaus die französische Klassik zu erkennen. Doch was nützt dies alles, wenn Garung und Aromenkombination völlig fehl gehen! Wir haben das „Olympe“ am Freitag vor Karneval besucht. Es war ausgebucht! Meine Frau und ich waren die einzigen Ausländer.

Wir hatten zwei eindrucksvolle Erlebnisse und zwei totale Unverständnisse: Ich habe nicht verstanden, warum kein einziger von unseren zehn Gängen gelungen war. Am wenigsten habe ich jedoch verstanden, wieso es allen anderen Gästen offensichtlich schmeckte.

Olympe
Rua Custódio Serrao, 62
Jardim Botanico
Rio de Janeiro
Brasilien

www.olympe.com.br

Satyricon

SatyriconDas „Satyricon“ hatte ich auf keiner meiner Restaurant – Listen gefunden. Nur die verschiedenen Concierges im Hotel, die kundigen Taxifahrer und meine ersten Bekannten in Rio hatten mir allesamt dieses Restaurant als das beliebteste Gourmet Lokal der Stadt genannt. Es sollte sich um das beste mediterrane Fischrestaurant Rios handeln.

Gleich nach der Eingangstür befanden sich etliche Meerestiere auf einer dicken Schicht von Crash Eis. Ich blieb davor stehen, und öffnete die Kiemen einer großen Brasse, was mir missbilligende Blicke des Oberkellners einbrachte, aber zugleich den Eindruck, dass für diesen Fisch seine frischeste Zeit  wohl schon vorbei sein wird. Nach einem Blick in das Restaurant wiedersprachen allerdings seine 140 Plätze diesem Eindruck, denn mit derartig vielen Gästen an einem Abend hätte der Umschlag an Fischen ausreichend groß sein müssen, um ständig frischen Nachschub zu gewährleisten. Aber es war ja der Rosenmontag!

Nachdem wir in dem noch weitgehend leeren Restaurant platziert worden waren, beobachteten wir, wie die Kellner von Tisch zu Tisch gingen, und dabei die Namen von den Reservierungsschildern ablasen und sich auf kleine Zettel notierten. Seltsam, dachten wir, aber es war ja der Rosenmontag!

SatyriconEingedenk meiner Kiemenbeobachtung bestellte ich eine Languste Thermidor, ein klassisches Gericht, an dem nicht so viel falsch gemacht werden konnte. Die beiden Langustenhälften schwammen – bitte dies wortwörtlich zu nehmen – in einem guten Liter Hollandaise, oder in dem, was der Koch darunter verstand. Die Languste war tatsächlich tot, denn in meinem Mund konnten ihre Stücke keinen Tropfen eines Körpersaftes mehr absondern. Von erheblichem aromatischen Vorteil war, dass die Käseschicht, mit der die Languste überbacken war, leicht säuerlich schmeckte, weil sie damit zur Hollandaise, für die ebenfalls keine Zitrone eingesetzt worden war, keinen hässlichen Kontrast aufbaute sondern einfach nur perfekt harmonierte. Nach einigen Bissen überlegte ich ernsthaft, ob ich den Koch wegen Tierquälerei verklagen sollte. Aber aus Rücksicht auf den Rosenmontag ließ ich mich von meiner Überlegung abbringen!

Inzwischen hatten an unserem Nebentisch weitere Gäste Platz genommen. In einem breiten Amerikanisch verkündete ein kräftiger und hochgewachsener Mann mit einer noch ebenbürtigen Stimme, dass er vor drei Jahren einmal einen grandiosen Wein hier getrunken hätte, weshalb er heute nun zurückgekommen wäre, um genau diesen Wein noch einmal zu trinken. Ich hatte den Rosenmontag bereits erwähnt!

SatyriconMeine Frau hatte gleichzeitig ein anderes Fischgericht bestellt. Ich weiß nicht, was sie dabei geritten hatte, und sie hatte auch kein Interesse, sich mir zu erklären. Vielleicht lag dies an den vor uns noch immer unberührt stehenden Amuse mit dicken weißen kalten Bohnen und kräftigen Zwiebelringen und Dosenthunfisch oder an den geschickt gefalteten gegrillte Auberginenstreifen oder auch an den großen Teilen marinierten Paprika, vielleicht hatte sie auch ihr Caipirinha mit dem Trinkröhrchen, durch welches sie bequem die Eisstücke aufsaugen konnte, etwas verstört, doch gleich, was es war, sie bestand partout auf Stockfisch. Der Fisch sollte in einem Weinfonds aufgeweicht worden sein. Allerdings musste der Wein aus einem schlechten Jahrgang gestammt haben, denn die Sauce, in der er nun schwamm, hatte kräftige Essigtöne. Allerdings setzten die Yuccateile und der Paprika dem fulminante erdige Noten entgegen, so dass auch der Stockfisch das Vernügen hatte, weitgehend unberührt die Küche wiederzusehen. Doch all dies in der Wärme des unvergleichlichen Rosenmontagsabend in Rio.

Als wir am Satyricon aus dem Taxi gestiegen waren, hatten wir uns gewundert, weshalb sich vor dem gegenüberliegenden Fastfoodladen eine große Menschentraube drängte, immerhin war dies eine recht gute Gegend. Als wir aus dem Satyricon kamen und wieder in ein Taxi stiegen, wunderten wir uns nicht mehr.

Fazit

Vielleicht sollten wir bei unserem nächsten Besuch in Brasielien lieber Edelsteine suchen als gute Restaurants.

Satyricon
Rua Barao da Torre 192 – Ipanema
Orla Bardot 500 – Búzios

www.satyricon.com.br

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