Restaurantkritik: La Casa in Havanna

Ambiente

Das Elternhaus von Alejandro Robaina (nicht verwandt mit der berühmten Tabakanbaufamilie) liegt in einer Seitenstraße unweit des Zoologischen Gartens von Havanna. Es ist ein Vorort, in dem die aufstrebende Mittelschicht Havannas sich ab den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre größeren Bungalows und kleineren Villen gebaut hat. Obgleich es bis zum Stadtzentrum mit dem Auto nur eine Viertelstunde ist, scheint dieses Stadtgebiet meilenweit von den quirligen und lärmenden Straßen der Innenstadt entfernt zu sein. Hier herrschte einst gutbürgerliche Gediegenheit und gepflegte Ruhe. Auch nach der Vertreibung der meisten seiner ursprünglichen Bewohner, haben ihre neuen Besitzer, zumeist Protektionisten des neuen Systems, viel von dieser Atmosphäre bewahrt, denn auch sie lernten die Verschwiegenheit einer gewissen Abgeschiedenheit durchaus zu schätzen.

Angelehnt an einem kleinen Hügel ist dieses private Restaurant von außen kaum wahrnehmbar – was mich vor einigen Jahren dazu verleitet hatte, öfters an ihm vorbeizufahren -, es sei denn dem Besucher fällt auf, dass hier an beiden Straßenränder ungewöhnlich viele Autos parken, was in Havanna ein untrügliches Zeichen für einen gut gehenden Paladar darstellt.

La Casa in HavannaAlejandro hat die Wohnräume seiner Eltern durch einige luftige Erweiterungen in den Garten hinein vergrößert, und mit einen kleinen Wasserlauf geschmückt, in den von der Wand breit hinabfließend sich das Wasser bewegt. Die Räume sind nicht so hoch wie in den herrschaftlichen Häusern der Innenstadt und – wie in allen Villen dieses Viertels – nach einem praktisch orientierten amerikanischen Verständnis aufgeteilt. An einer Wand hängen mehrere Schaubilder mit zahlreichen Geldscheinen aus aller Welt, vielleicht die Internationalität des Restaurants betonend, denn an einer anderen Wand sind viele Fotos mit prominenten Gästen angebracht, mit denen stets Alejandro posiert. Auch im Gespräch zeigt Alejandro unverhohlen, wie stolz er auf das mit seinem Restaurant erreichte ist.
Wer ist Alejandro? Zuerst ist er eines nicht, er ist kein Koch. Aber er ist einer der neuen höchst erfolgreichen kubanischen Gastro – Manager. Seit etlichen Jahren bereits gehört das La Casa in die Spitzengruppe der privaten Restaurants Havannas, und es hat sich darin auch mit gutem Grund gehalten.

Alejandro ist die dritte Generation seiner Familie, und die ersten beiden Generationen sind noch jeden Tag im Restaurant präsent! Ihr Leuchtturm ist Alejandro, der mit seiner langen Haartracht, seiner ungemeinen körperlichen sowie kommunikativen Beweglichkeit auch ein kubanisches Showtalent hätte sein können. Er kann es sich erlauben, nicht ständig im Restaurant zu sein, was ihm allerdings auch gut geschulte und gut aussehende Servicekräfte ermöglichen.

Das La Casa promotet sich auch über das Internet. Da private Internetanschlüsse in Kuba verboten sind, sind dafür „Kontakte“ erforderlich, wodurch jedoch eine entsprechende Resonanz bei Botschaften und ausländischen Unternehmen in Havanna erzielt wird.

Vorspeisen

La Casa in Havanna„Pica Pica“: Eine gemischte Vorspeise, die in zahlreihen Varianten in vielen Restaurants angeboten wird. Hier waren drei Bestandteile interessant. Ein Schälchen mit geschmorten Auberginen und Zwiebel- sowie Paprikastreifen mit Käse überbacken und mild abgeschmeckt; Red Snaper als panierte Fischfinger und ein Ceviche ebenso aus Red Snaper mariniert mit Olivenöl, Zwiebeln und Limone, beste Qualität.

Hauptgerichte

„Camerones Echilada“: Ein „Enchilada“ – Gericht sind in Kuba immer Meeresfrüchte u.a. in einer speziellen Tomatensauce zubereitet. Diese war hier sehr ausgeglichen, nicht zu tomatig, weil kombiniert mit Zwiebeln und Knoblauch (passiert) eine aromatische Länge und Balance hergestellt worden war. Allerdings waren die vorher in Olivenöl angeschwenkten Garnelen zu hart geraten, was indessen die Kubaner so mögen.

La Casa in Havanna„Pollo Asado“: Gebratenes Hühnerfilet kam auf einer Art grünem Salat, mit Malanga, Champignon, grünen Erbsen, Paprika, Auberginen und Mais mit einer „spanischen“ Sauce, recht kräftig, einfach aber vielfältig durch das Gemüse.

Unbedingt sollte der Besucher die schwarzen Bohnen probieren. In Kuba kommen zusammen mit weißem Reis in einer separaten Schüssel (Als „Moros y Christianos“ – Mohren und Weiße – werden Reis und schwarze Bohnen auch zusammen zubereitet, was überhaupt eines der traditionellsten kubanischen „Sättigungsbeilagen“ ist.) schwarze Bohnen. Diese werden in einer Brühe zusammen mit kleinen Paprika, Zwiebeln, Tomaten und Knoblauch gekocht. Ihre Konsistenz schwankt dann zwischen suppig und cremig. Hier war sie cremig und perfekt abgeschmeckt. Zwar trat der typische Geschmack dieser Bohnensorte hervor, aber nicht penetrant sondern eingebunden in die Aromen der Gemüse, wozu auch sicherlich der Hühnerfonds betrug.

Traditionell werden diese schwarzen Bohnen auf dem Teller mit dem separat gereichten Reis vermischt, wodurch der Reis die Flüssigkeit der Bohnen aufnimmt und von diesen aromatisiert wird.

Eine weitere typische Gemüsebeilage sind mit Zwiebeln und Knoblauch gekochte Stücken von Yuca (eine längliche stärkehaltige Wurzel) von der die Kubaner ganze Berge zu vertilgen vermögen, die indessen für europäische Gaumen nach einigen Bissen viel zu sättigend und aromatisch recht einseitig wirken.

Nachspeisen

La Casa in HavannaUnter den Paladares in Havanna hat das La Casa wahrscheinlich das interessanteste Angebot von Desserts. Ich hatte kurz nach 12 Uhr das Restaurant betreten, gegen 13 Uhr war es mit über vierzig Gästen aus den USA, Kanada und Deutschland bestens gefüllt.

Die Küche kam mit den Bestellungen kaum noch nach, und Alejandro rotierte zwischen den Gästegruppen und der Küche. Deshalb bat er mich, auf meine ursprünglich weiteren Bestellungen zu verzichten und zwei einfache Desserts zu akzeptieren. Das Vanilleeis mit Erdbeermus kam wie fast alle seine Desserts in einem besonderen Töpfchen, was bereits das Besondere an ihm war, denn für ein Gourmetlokal war es geschmacklich und in der Konsistenz zwar gut (was für das „vanillearme“ Kuba schon eine kleine Leistung ist), aber sonst nichts Außerordentliches.

Die Zitronentorte war typisch kubanisch übersüßt und mit einer dicken Schicht Sahne aus der Sprühdose versehen. Da auf Kuba echte Sahne sehr selten importiert wird, hätte ich vorher dazu besser fragen sollen. Wer es nicht so süß mag, der sollte zum Abschluss einfach einen Cocktail bestellen, beispielsweise einen Pina Colada, der optisch witzig stets in einer Ananas serviert wird. Die Cocktails in diesem Paladar sind bestens!

Fazit

Das La Casa gehört zu den wenigen privaten Restaurants in Havanna, welches seit über zehn Jahren (eröffnet am 3. 8. 1995) seine Qualität gehalten hat. Dafür sind wenigstens drei Gründe verantwortlich. Zum einen ist dies der enge Zusammenhalt der Familie über drei Generationen hinweg. Dann sind es das Geschick von Alejandro und zuletzt unbedingt auch die Kontinuität in der Küche. Der Chefkoch Wladimir steht hier bereits seit fünf Jahren am Herd, was in dieser boomenden Branche eine Seltenheit darstellt. Insgesamt arbeiten in dem kleinen Unternehmen 15 Personen.

La Casa
Calle 30 No. 865
entre 26 y 41 La Habana

0053 – 7 – 881 7000 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.