Restaurantkritik: Green Olive im Meng xi Hotel

Der Besitzer und Chefkoch Li Bin hatte ein Yak – Kochbuch verfasst, selbst für China höchst ungewöhnlich, und dieses auf dem World Cookbook Award in Peking ausgestellt. So bin ich mit ihm zusammengekommen. Wir tauschten unsere Bücher aus, signierten sie vorher, und so ist er nun im Besitz eines deutschsprachigen kulinarischen Buches, obgleich er kein Wort Deutsch spricht und auch in absehbarer Zeit nicht in ein deutschsprachige Land kommen wird, und ich bin im Besitz eines chinesischen Buches, ohne ein Wort Chinesisch zu sprechen, und auch in meinem Leben sicherlich nicht nach Tibet fahren werde.

Allerdings brachte mir diese Begegnung eine Einladung in sein Restaurant ein. Bei meiner hier folgenden Beschreibung sei berücksichtig, dass die Übersetzung auf Englisch erfolgte, was an sich schon Verständnisverluste mit sich bringen kann, zudem jedoch die junge Dame zum ersten Mal in ihrem Leben in Peking weilte und auch dolmetschte. Das Bewundernswerte an ihr – wie bei etlichen anderen jungen Chinesen – bestand darin, keinerlei Scheu vor einer solchen Aufgabe zu haben, sich nicht von dem Bewusstsein der doch arg eingeschränkten Fähigkeiten in ihrem Engagement beeinflussen zu lassen.

Ambiente

Green OliveDas Restaurant befindet sich im Erdgeschoss eines Mittelklassehotels. Es ist modern und weitgehend schmucklos, d.h. funktionell eingerichtet. Mit den Separees umfasst es ca. 300 Plätze. An den Wochenenden bringen 10 bis 15 Köche an die 3. 000 Teller oder Schüsseln heraus. Wir speisten in einem der Separees in Anwesenheit des Chefs, was bei der Bewertung des Ambiente und der Speisen zu berücksichtigen ist. Zugleich gewährte er uns einen großzügigen Einblick in seine Küche.

Zwar kamen auch hier etliche Gerichte gleichzeitig auf den Tisch, aber er hatte durchaus eine Systematik, weil die kalten Speisen zuerst anlangten, und als die warmen kamen, wies er darauf hin, dass in der Tradition seiner Heimat nur bei den kalten Speisen am Tisch ausführlich geredet wird.

Speisen

Green OliveErst kamen fünf Speisen, dann weitere vier, darauf noch einmal sechs und zuletzt auch noch drei. Dies innerhalb von 30 Minuten, während ihr Verspeisen gerade einmal zwei Stunden dauerte. Ich unterhielt mich mit dem Chefkoch über die Dolmetscherin, die die meisten meiner Fragen nicht verstand und die Antworten von Li Bin mir so mitteilte, dass ich sie nicht verstand, aber alle drei lächelten wir uns immer wieder erneut freundlich an. Auch das Nicken nach jeder Antwort vergaßen wir höflichst nicht.
Es war eines der seltsamsten Essen, an welches ich jemals teilhaben durfte.
Jetzt, beim Abfassen meiner Restaurantkritik, befinde ich mich vor der Schwierigkeit, meine kryptischen Aufzeichnungen den einzelnen Fotos zuzuordnen. Meine Frau hat sehr viele Situationen und Gerichte aufgenommen, die jetzt manchmal wie Bilder auf mich wirken. Anstelle einer Beschreibung meiner Empfindungen beim Hin – und Her – Probieren an diesem Abend überlasse ich Sie der Wirkung dieser Fotos.

Green OliveNur einen einzigen Höhepunkt des Essens erwähne ich direkt. Dies waren die Teller mit Yak – Fleisch, jedoch nicht weil Yak – Fleisch bei uns recht unbekannt ist, sondern ausschließlich weil es durch eine Marinierung mürbe wurde und durch seine Einbindung in Teig ober infolge seines Zusammengehens mit speziellen Saucen sein Eigenschmack exzellent betont worden war. Wir erhielten es pur, als gefüllte Gyoza und in einer Teigrolle. Zudem wurde es auch auf einem anspruchsvollen chinesischem Geschirr serviert. Eine Gaumen- und Augenweide!

Fazit

Green OliveDer 40 Jahre alte Chef Li Bin kommt aus Ost – China und arbeitet seit 20 Jahren in Peking als Koch sowie später als Chefkoch und Restaurantbesitzer. Bereits der Name seines Restaurants signalisiert sein kulinarisches Engagement. Seine Speisekarte war die grandioseste, die wir während unseres Aufenthaltes in Peking zu Gesicht bekommen haben. Auf fast 100 Seiten waren 240 Gerichte abgebildet, sämtlichst vom Chef selber entwickelt und auch selber fotografiert. Allerdings erhielt ich diese Karte – oder besser dieses Buch – leider nicht, und ebensowenig das mit ihr angefüllte zugesagte Email. Unter diesen Umständen gerät eine Restaurantkritik leicht von einer Tellerkritik zu einer Theaterkritik, wobei auch in anderen von mir besuchten Restaurants die Distanz zwischen diesen beiden Formen auf Messers Schneide stand.

Seine Gerichte sollen leicht sein, weshalb er umfangreich mit Oliven anbietet und auch etliche vegetarische Gerichte neu entwickelt hat. Besonders hat er sich dem Yakfleisch verschrieben, welches er täglich per Flieger direkt aus Tibet angeliefert erhält.

Allerdings befinden sich auch zahlreiche traditionelle Pekinger Gerichte auf der Karte. In der Tat waren seine Gerichte tendenziell stärker auf Gemüse und leichterer Machart ausgerichtet als in ähnlichen Pekinger Restaurants. Zudem ist er nicht auf Gerichte aus einer chinesischen Region festgelegt sondern kocht sehr breit, entsprechend seiner Vorlieben für Oliven, Gemüse, Salat und Yak. Nicht zu vergessen: Chaf Li Bin ist ein ausgesprochen liebenswerte Typ!

Green Olive
Meng xi Hotel
No. 20 Xueyuan Road
Haidian District
Beijing City

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