Restaurantkritik: Doña Eutimia in Havanna

Ambiente

Der Platz vor der alten Kathedrale in Havanna gehört zum Herzstück des frühen Havanna. Er ist von alten in grauem und dickem Stein gehaltenen Häusern umgeben. Auch die Mauern der Kathedrale sehen düster auf die Besucher hinab, so dass ich unwillkürlich an die finsteren Zeiten der Inquisition denken musste. Am Ende des kleinen Platzes öffnet sich eine kurze, nur Fußgängern vorbehaltene Sackgasse, breit und luftig, gerahmt von Häusern mit offenen Toren, hinter denen zahlreiche Künstlerateliers eingerichtet sind.

Auch in den Räumen des am Ende in der Ecke dieser Sackgasse fast versteckt liegenden Doña Eutimia arbeitete bis vor drei Jahren der Schwiegervater des heutigen Besitzers als Restaurateur alter Fenster, Türen und Holzgeländer. Abiel und seine Frau Leticia behielten manches von der Atmosphäre des Ateliers bei, vor allem die Fenster und Türen, gestaltete ihr Paladar aber wie ein Wohnzimmer um. Draußen auf der Straße stehen einige Tische und Stühle, im Obergeschoß befindet sich ein Raum für private Veranstaltungen.

Insgesamt verfügt dieser Paladar über etwa 30 Plätze.

Abiel kümmert sich um die Organisation und die zahlreichen Stammgäste, während seine resolute Restaurantleiterin Aymeé in perfektem Englisch den Service koordiniert. Beide bilden zusammenmit dem Küchenchef Angel seit der Eröffnung am 13. 2. 2011 ein Team. Sie verbreiten eine warmherzige Atmosphäre, alles wirkt hier authentisch, selbst wenn sich dieses Adjektiv abgegriffen anhört.

Der künstlerische Anspruch zeigt sich auch in den modern designten Geschirr und den schönen alten Stühlen mit ihren korbgeflochtenen Lehnen.

Vorspeisen

Doña Eutimia in HavannaFrittierte Malanga mit Honig – Dip: Geschmacklich in frischem Öl frittiertes Malangamus, welches zuvor mit Knoblauch und verschiedenen Gewürzen gekocht und dann püriert worden war. Wäre als Fingerfood auch in Deutschland bestens geeignet.

Hauptgerichte

Doña Eutimia in Havanna„Ropa vieja del Chorro“: Die Ropa vieja, auf Deutsch Alte Wäsche, ist sicherlich das beliebteste kubanische Fleisch – Gericht, auch wenn es Kubaner Touris recht selten essen werden, denn es wird in der Regel aus Rindfleisch zubereitet, welches auf Kuba nach durch Fidel Castro persönlich veranlassten Experimenten (Kreuzung von Holstein – Rindern mit afrikanischem Zebu – Rind, wodurch die traditionelle kubanische Rinderzucht weitgehend zum Erliegen kam.) fünf Jahrzehnte streng rationiert war. Jetzt jedoch findet es sich auch öfters auf den Karten der staatlichen Restaurants. Seine Zubereitung liest sich für deutsche Erfahrungen etwas archaisch. Rindfleisch (am besten Schmorfleisch aus der Keule) wird mit Gewürzen so weich gekocht, dass es danach mit der Hand oder zwei Gabeln in seine einzelnen Fasern zertrennt werden kann. Diese kommen in eine sämige Sauce, welche aus Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und verschiedenen Gewürzen (wichtig ist Kreuzkümmel!) zubereitet wurde, und werden darin ziehen gelassen. Sie werden mit Reis und schwarzen Bohnen (siehe weiter unten) serviert. Wichtig dabei sind zwei Bedingungen. Die Ropa vieja darf nicht suppig und muss geschmacklich ausgewogen sein. Hier aß ich sie erstmalig mit Lamm und war davon recht angetan. Der Geschmack war dezent, Oregano, Kreuzkümmel und Knoblauch waren harmonisch in die Tomatenbasis eingebunden.

Zu diesem Gericht kamen in einer Schüssel weißer Reis und in einer anderen die typisch kubanischen Frijoles negros. Letztere wiesen die beste Qualität auf, die ich jemals auf Kuba genossen habe.

Picadillio al la habanera: Dieses Gericht erinnert ein wenig an die Sauce Bolognese, aber ohne Tomatenbasis. Es könnte locker auch auf den Karten der normalen deutschen Lokale stehen, denn es ist einfach zuzubereiten und kommt dem deutschen Geschmack sehr entgegen. Im Wesentlichen besteht es Rinderhack, Zwiebeln, Knoblauch, Tomatenstücken ohne Haut und Samenkörner, Paprikastreifen, Olivenstücke und Rosinen. Sicherlich ist es kein wahnsinnig verfeinertes Gericht, aber in Doña Eutimia war es mit Weißwein angemacht und kam mit gebratenen Bananen – Stücken (auch hier in frischen Olivenöl!). Die Bananen waren kleine aber dickere kubanische Bananen (Plantano burro), die eine weichere Konsistenz und mehr Süße als die bei uns gehandelten aufweisen. Hätte Kuba die technischen Möglichkeiten, diese zu exportieren, wären sie bei uns ein echter Renner. Diese beiden unterschiedlichen Texturen und Aromen setzten jeder für sich Kontraste, aber zusammen aufgenommen schafften sie einen Ausgleich.

Masas de cerdo a la criolla: Grobe Stücken von der Schweineschulter waren in Limonen, Öl, Knoblauch und Zwiebeln mariniert, und dann kurz bei großer Hitze angebraten, wodurch sie Außen sehr knusprig gerieten. Da sie klein waren, hatten sie Innen leider ihre Zartheit verloren.

Nachspeisen

Doña Eutimia in HavannaObgleich ich von den Speisen schon ziemlich erschöpft war, konnte ich das Angebot eines „Torrejas“ einfach nicht ablehnen. Es war eine Art kalter French Toast (oder arme Ritter ohne Milch mit Sirup), weich aber tropfend vor Sirup. Als Aymeé meine Mühe bemerke, stellte sie unaufgefordert einen zweiten Frozen Mojito vor mir hin. Der half! Es ist ein in Havanna fast einzigartiger Mojito, in dem die Minze im Mixer so verkleinert wird, dass sie in den Mojito nur noch ihr Aroma abgibt und dieses ist zusammen mit dem weißen Rum herrlich ausgeglichen. Ich bin sicher, dass Hemingway schon wegen dieses Mojitos hier Stammgast geworden wäre.

Fazit

Die Kathedrale ist für die Touris ein Pflichttermin. Trotzdem werden sie nicht so ohne weiteres ihren Weg direkt zu diesem Paladar finden, denn auf dem Platz gibt es ein staatliches Restaurant mit einer großen Außenfläche und einen weiteren Paladar sowie einige andere Restaurants in den umliegenden Seitenstraßen. Zu Dona Eutimia geht der Besucher weil er eine Empfehlung erhalten hat. Diese wird so häufig gegeben, dass er fast immer bestens besucht ist.

Die Küche ist sicherlich nicht an einer Haute Cuisine angelehnt, aber nur in Süddeutschland habe ich eine derartig schmackhafte traditionelle Küche erlebt.

Doña Eutimia
Callejón del Chorro No. 60 – C
Plaza de la Catedral, Havanna Vieja

Tel. 0053 – 7 – 861 1332

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.