Restaurantkritik: Al Nafoorah in Dubai

Eines der besten arabisch-libanesische Restaurants in der Golfregion

Es gibt in Dubai keine gehobene arabische Küche. Ob eine solche überhaupt möglich ist, muss angesichts der arabischen Kulturgeschichte bezweifelt werden, was jedoch nicht zu verwechseln ist mit ägyptischer oder türkischer Küche.

Vor dreißig Jahren war Dubai ein kleines Küstennest am Rande der riesigen arabischen Wüste, einstmals von Beduinen gegründet. Beduinen können über keine Restaurantkultur verfügen. Auch die eigentliche arabische Kochkultur kreist um wenige Ausgangsprodukte, die ohne komplizierte Zubereitungsarten leicht variiert werden. Dies schließt selbstverständlich nicht erhebliche Qualitäts- und Niveauunterschiede zwischen den Restaurants aus. Eine „kulinarische“ Vergangenheit existiert in Dubai nicht, eine Vielfalt allerdings durchaus.

Ambiente – Gediegenheit für betuchte Gäste

Al Nafoorah in DubaiMeine Restaurantkritik des Al Nafoorah beschäftigt sich mit einem der besten libanesischen Restaurants der Golfregion. Es befindet sich im Erdgeschoss der Emirats Towers, einem der vielen seelenlosen Büro- und Hotelhochhäuser Dubais. Sein Betreiber ist die Jumeirah-Gruppe, die kürzlich auch ihr erstes deutsches Hotel in Frankfurt eröffnete. Diese Gruppe wendet viel Energie und Geld auf, um in ihren Hotels eine gehobene Küche in ansprechendem Ambiente anzubieten. Die Ausstattung des Restaurants ist gediegen, schwer und wuchtig. Sie soll Seriosität ausstrahlen, vielleicht vor allem auf potentielle arabische und amerikanische Gäste. Obgleich das Restaurant seit zehn Jahren besteht, ist die Ausstattung in einer Verfassung, als sei sie erst gestern eingerichtet worden.

Zu diesem „Kolorit“ gehören auch abendliche Musikgruppen bzw. andere Darbietungen. Gemeinsames Essen schließt in dieser Region musikalische und optische Unterhaltung mit ein.

Die Küche ist dazu spärlich eingerichtet. Moderne, in allen gehobenen Küchen selbstverständliche Küchengeräte wie Salamander, sous vides Geräte oder Pacojet, sind nicht vorhanden. Die wichtigsten zwei Einrichtungen befinden sich im Gartenbereich: Ein Steinofen und ein Holzkohlengrill. Das weist schon deutlich auf die Art der Speisen hin.

Gruß, Vorspeisen und Hauptgerichte – alles frisch auf einem große Tisch

Al Nafoorah in DubaiIm Libanon, wahrscheinlich auch in anderen benachbarten Ländern, ist Essen eine Angelegenheit der Familie und von Freunden. Große Tische für wenigstens sechs Personen sind normal. Ähnlich der chinesischen Tischkultur kommen sämtliche Gerichte alle auf den Tisch, zwar nach und nach, aber nur die Teller werden weggeräumt, die leergegessen sind. Jeder Teilnehmer am Mahl bedient sich nach eigenem Belieben.
Vor meinen zwei Freunden und mir baute sich allmählich ein buntes Bild auf, unvergleichlich zu dem, was wir aus westlichen Gourmetrestaurants kannten.

Es begann mit dem bekannten beige-farbigen Hummous in verschiedenen Variationen und dem gelben Tabouleh, sowie dem rötlichen Muhammara (Chilipaste, Walnüsse, Semmelbröseln, Olivenöl, Zitronensaft). Dann wurden verschiedene Pickles aufgetragen, denen etliche Varianten von Yoghurt und Auberginenmus folgten. Der Tisch füllte sich, voll als Salate in einigen Zusammensetzungen wie Zaatar, Fattoush, Jergier u. a., Käseröllchen aus Blätterteig und unterschiedlich gefüllte kleine Teigtaschen aufgetragen wurden. Vollends unübersichtlich wurde es, nachdem etliche Sorten von Kebab, Shawarma und gegrilltem Huhn, Lamm und Rind, sowie zwei Sorten Fisch hinzukamen.

Auch der Fisch kam vom Grill. Einzig kleine Stücken von Hühnerleber waren in der Pfanne gebraten worden.

Al Nafoorah in DubaiIch war unfähig, von jedem Schälchen und Tellerchen auch nur einmal zu kosten, obwohl es nichts zu schneiden und anzurichten gab. Die Gabel und selten auch der Löffel erfüllten während der gesamten Auftischung ihren Zweck. In Deutschland würden wir dieses Mahl vielleicht als gehoben rustikal charakterisieren. Es war prächtig anzusehen. Infolge meiner geringen Kenntnisse der Würzung der einzelnen Teller, konnte ich die Abfolge der Texturen und Aromen nicht steuern. Also ließ ich mich einfach genüsslich treiben.

Die Würzungen erfolgten häufig mit Saft von Limetten und Granatapfel, ohne jedoch übermäßig säurebetont zu sein. Viele Speisen wiesen eine leichte fruchtige Säurenote auf. Einige Speisen waren mit mir unbekannten arabischen Würzmischungen (Bestandteile die ich herausfinden konnte, waren vor allem Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamon, Zimt u. a.) versehen, welche ihren Eigengeschmack übertönten. Beispielweise konnte ich bei einer Sorte eines einheimischen Fisches und bei Garnelen kein Aroma und kaum noch die Textur herausschmecken. Die Würzung war zumeist zwar nicht besonders scharf, aber trotzdem sehr kräftig.

Es gab nichts Überbackenes oder in einem Topf Geschmortes. Keines der Gerichte war vielfältig und aufwendig konzipiert. Sämtliche Zusammenstellungen kamen frisch auf den Tisch und ergaben einen ausgesprochenen farbigen Eindruck. Angesichts dieser Vielfalt und der geradlinigen Ausrichtung der Gerichte machte es für mich keinen Sinn, auf einzelne Zusammenstellungen gesondert einzugehen.

Dessert – Damaskus lässt grüßen

Al Nafoorah in DubaiFür die muslimischen Länder des Nahen Ostens ist Damaskus das Mekka der Desserts. Schon vor langer Zeit haben die Bäcker und Konditoren der Stadt die meisten der Dessertvariationen erfunden, welche bis heute nicht nur in den Restaurants mit einer nahöstlich geprägten Küche die Desserts bestimmen sondern auch das Angebot der zahlreichen türkischen Bäcker in Deutschland. Dabei werden im Wesentlichen immer nur drei Komponenten variiert: Teig, Zucker und Nüsse. Dafür benötigt der Gast viel Muße, Tee oder noch besser Schnaps.

… Auch vor uns wurde das bekannte Baklava in verschiedenen Variationen aufgebaut, ebenso Maamol (Kekse mit Pistazien und Datteln)…

Zuletzt kam eines der am einfachsten vorstellbaren Desserts. Eine lockere Creme von Frischkäse wurde mit Honig aus dem Libanon übergossen. Einen derartig milden und weichen Honig hatte ich noch nie zuvor genossen. Er war weitgehend frei von einer häufig auftretenden penetrant süßen Schärfe. Seine Verbindung mit dem Frischkäse füllte angenehm den Mundraum. Einfach und köstlich!

Fazit – nicht mit klassischer westlicher Küche zu vergleichen

Das Restaurant will eine gehobene libanesische Küche anbieten. Dabei ist der Zusammenhang mit anderen Küchen des Vorderen Orients nicht zu übersehen. Zahlreiche Gerichte sind identisch, insbesondere die Humus-Variationen, die Grilladen und die Desserts.

Al Nafoorah in DubaiDie Karte ist sehr umfangreich, doch ähnlich wie in dicken chinesischen Menükarten stellen die meisten Gerichte nur geringfügigen Variierungen eines Hauptproduktes dar.
Das „Rückgrat“ der Küche und des Service sind libanesische und syrische Mitarbeiter. Sie kümmern sich rührend um die Gäste, so dass sich die positiven Vorstellungen von orientalischer Gastfreundschaft erfüllen.

Betritt der westliche Gast dieses Restaurant, sollte er alle Vorstellungen von komplex designten Tellern westlicher Gourmet-Restaurants geistig beiseitelegen und sich völlig auf eine andere Präsentation von Speisen auf einem guten Niveau konzentrieren. Er kann dann in einen kulinarischen Bereich der orientalischen Welt eintauchen und darin durchaus wie ein Gourmet genießen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, das Restaurant Al Nafoorah zu besuchen. In Deutschland ist weitgehend unbekannt, welche vielfältige Weinkultur der Libanon aufweist. Allenfalls sind in Expertenkreisen die beiden Vorzeigegüter Musar und Kefreya bekannt. Das Al Nafoorah hält einer der umfangreichsten libanesischen Weinkollektionen vorrätig. Ich habe einen weißen aus der Beeka – Ebene vom Gut Massaya probiert. Es war ein Blend von jeweils 15 % Sauvignon Blanc und Chardonnay, sowie jeweils 35 % von Clairette und der autochthonen Rebe Obaidi. Da die Speisen sehr unterschiedlich hoch gewürzt waren, konnte er nur in den Pausen dazwischen getrunken werde. Seine hohe Mineralität lenkte den Gaumen von den Gewürzen bestens ab.

Anschrift

Al-Nafoorah
Emirates Towers
Sheikh Zayed Raod
Dubai

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