Restaurant-Kritik: Wing Lei – Las Vegas

Wing Lei – Las Vegas: Nicht allein der beste Chinese, sondern auch eines der besten Restaurants in Las Vegas

Entgegen mancherlei Interpretationen in Restaurantführern oder im Internet ist das Restaurant Wing Lei in Las Vegas kein europäisches Restaurant mit chinesisch angehauchter Küche sondern ein Restaurant mit Gerichten verschiedener chinesischer Regionen bzw. chinesischer Einflusssphären (Peking, Kanton, Setchuan, Singapur, Mongolei u. a.).

Sicherlich sind zahlreiche dieser Gerichte dem westlichen bzw. dem amerikanischen Geschmack angepasst, aber einige werden auch original zubereitet.
In den USA sind chinesische Restaurants noch weitaus verbreiteter als in Deutschland, zudem ist ihre Küche auch häufig nach den chinesischen Regionen ausgerichtet. Für den Westen der USA trifft dies in besonderem Maße zu. Allerdings sind dabei hochklassige Restaurants eher die Ausnahme. Wing Lei ist eine solche.

Wing Lei – Las Vegas: Ambiente – edel stylisch

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Alles im Restaurant glänzte golden: die Wände, die Decke, die Stühle (allerdings mit roter Sitzfläche) und sogar das Besteck! Das Restaurant strahlte kaiserliche Imperialität aus! Seine chinesischen Stilelemente sind allesamt bekannt, aber hier in besonders edler Form ausgeführt.

Wing Lei – Las Vegas: Speisen – Anspruch und Wirklichkeit sind identisch

Meine Frau hatte gewählt:

• Honey –Glazed BBQ Spare Ribs – Green Papaya Salad
• Imperial Peking Duck – Carved Tableside, Choice of Steamed Buns or Mandarin Crepes, cucumber, Scallions, Hoisin Sauce, Diced Duck in Lettuce Cups

Die Auswahl meiner beiden Speisen hatte ich dem Chef überlassen und erhielt:

• Crispy Prawns – Ponzu Sauce
• Grilled Sea Bass – Lotus Root, Inoki Mushrooms, Spinach, Asparagus

Prawns und Spare Ribs waren mit der Hand zu essen, wofür es warme Tücher gab. Beides waren puristisch-einfache Vorspeisen in perfekter Zubereitung. Die Prawns waren in der Schale gegrillt, dufteten exotisch mit einem Hauch von Soja und hatten sich noch eine frische Konsistenz bewahrt. Die Ribs waren auf den Punkt zart und saftig, ohne wie so oft zwar butterzart aber zugleich trocken zu sein. Auch sie waren in einer leicht süßlichen Sojasoße angebraten und glasiert worden.

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Mein Seebarsch war vor Chile gefangen worden, näheres konnten mir die Kellner nicht sagen, wie überhaupt die Herkunft der Produkte in derartigen Massenhotels mit zahlreichen Restaurants recht zweifelhaft ist, denn fast alle werden über eine zentralen Einkaufsabteilung erworben, ganz anders als in den Top-Restaurants deutscher Hotels.

In Vegas zählt der hohe Umschlag. Da die Anzahl der Stammgäste im Verhältnis zur gesamten Gästezahl gering ist, und die kulinarischen Ansprüche der (vor allem am Gambling interessierten) Stammgäste noch geringen sein wird, kommt es mehr auf die Qualität der äußeren Darstellung dieser Restaurants als auf eine durchdachte kulinarische Qualität an.

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Deshalb war ich erstaunt, im Wing Lei einen Seebarsch vor mir zu haben, mit einem hohen Filet, wie bisher sehr selten erlebt. Er war schonend gegrillt (oder gebraten?), das heißt mit einer ordentlichen aber nicht zu starken Kruste und innen sehr dezent saftig. Die Sojasauce, mit der er überzogen war, brachte zwar eine leichte Süße in sein Aroma hinein, aber sie drückte das Aroma des Fisches nicht beiseite.

Er lag – wie leider immer wieder auch in Top-Restaurants festzustellen – auf einem dünnen Gemüsebeet. Es wäre für den Fisch besser gewesen, dieses Gemüse an seiner Seite beizufügen. Das Gemüse war nur kurz angeschwenkt worden und ergab durch seine Vielfalt zwischen der Aufnahme des Fisches eine kurzweilige Ablenkung.

Selbst der dazu gereichte leicht angebratene Reis mit Eiweiß und Schnittlauch kam akkurat locker, aromatisch aber zurückhaltend.

Höhepunkt des Essens – wie erhofft! – war dann die Peking-Ente. Vielleicht durch mein Gespräch mit dem Küchenchef Lo hervorgerufen, gaben sich gleich drei Kellner die Mühe, die Ente für uns zu zerlegen. Sie war ganz traditionell zubereitet, und ebenso waren die weiteren Bestandteile typisch für dieses Gericht.

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Ich habe Peking-Ente mehrfach in Deutschland, England und in China gegessen. Diese hier in Vegas kam in einer herausragenden Qualität. Es ist selbstverständlich, dass Gurke und Frühlingszwiebeln frisch und fein geschnitten sind, ebenso wie die frisch zubereiteten Crepes und gedämpften Buns. Weitaus weniger selbstverständlich war die eigens in der Küche zubereitete Hosin-Sauce. Sie schmeckte nicht so vordringlich süß wie oft erfahren, sondern war fein mit Essigtönen abgestimmt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Haut einer Peking-Ente – als ihr dominierender Bestandteil – noch besser zubereitet werden kann.

Der Koch hatte die Haut so einfühlsam behandelt, dass sie zugleich zart und knusprig (zumeist ist sie viel zu knusprig und deshalb trocken) geworden war. Eine recht dünne Fettschicht verlieh ihr Geschmeidigkeit und aromatische Eleganz.
Eine so zubereitete Peking-Ente ist ein kultureller Schatz.
Als Desserts hatten wir in chinesischer Tradition eine Suppe gewählt, und erhielten als “Gruß” vom Chef noch eine Dessert-Variation.

Das Dessert sah wie ein Tobleronne aus, mit einem Schoko-Cookie-Boden, darauf eine Schokomousse mit einer Vanillefüllung. Auch in diesem Restaurant wirkte das Dessert wie in einer zentralen Patisserie hergestellt, aber im Unterschied zu unseren bisherigen Erfahrungen war es bestens zubereitet. Es war leicht (nicht wie sonst massig) und brachte verschiedene aromatische Eindrücke hervor. Dazu gehörte ein Teller mit einer Mango-Frucht-Suppe, angefüllt mit Tapioka sowie einem Lychee-Sorbet in der Mitte. Auch dies war dezent abgeschmeckt und ergänzte sich mit der Schokokreation.

Fazit – typisch und zugleich untypisch für Vegas

Der Chef-Koch (in den USA der Executive Chef) Xian Ming Yu kommt ursprünglich aus China, sein Stellvertreter Lo (erfahrener Las Vegas Koch, eigentlich bereits in Pension aber von Ming Yu wieder angeworben) kam einst aus Hong Kong, die anderen Köche (bis zu 17) und das Servicepersonal kommen aus verschiedenen ost-asiatischen Staaten (aber keine Japaner).

Nur der Sommelier Diego A. Vasquez kommt nicht aus Asien sondern aus Peru und er war – obgleich auch seit zehn Jahren schon in Vegas – der einzige, der sich bestens in der Top-Restaurantszene der USA auskannte.

Auch diese Küche hat etliche für Vegas typische Eigenschaften.
Die Gerichte kamen allesamt sehr schnell. Vielleicht sollen die Besucher auch ein hochklassiges Essen nur als kurze Unterbrechung von der Spielleidenschaft auffassen, also so schnell wie möglich wieder in die Casinos zurückkehren. Vielleicht entspricht diese Eigenart dem amerikanischen Verständnis von (schnelllebigen) Leben.

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Vielleicht ist das Essen als Konsumtion einer Kunstform erst bei einer sehr, sehr kleinen Schicht angekommen. Vielleicht ist überhaupt Genuss mit Geschwindigkeit verbunden, was allerdings auf das Autofahren oder das Baseball-Spiel nicht zutreffen würde.
In keinem Restaurant in Vegas durften wir die Küche betreten oder gar fotografieren. Vielleicht hätten wir dort zu viele illegale Hilfskräfte angetroffen, vielleicht auch viel zu viel langfristig vorbereitete Speisen, vielleicht auch als Gegensatz zur Ausgestaltung der Speiseräume zu viel Primitivität.

Überall gab es nur sehr wenige gut informierte Kellner. Bei vielen der nur heruntergespulten Erklärungen zu den Tellern drängte sich der Eindruck von Auswendiggelerntem auf.

Für europäische Verhältnisse gab es überall eine unsinnige Hierarchie. In ihr war die unterste Schicht nur für Brot und Butter, Wasser Nachgießen, sowie das Abräumen zuständig. Sie stammte zumeist aus Südamerika. Die oberste Schicht der Kellner schienen sich zuerst für das Trinkgeld zu interessieren und erst dann für den Gast.
Immerhin haben wir von alle getesteten Restaurants in Vegas bei im Wing Lei am besten gegessen und auch die Atmosphäre als wohltuend empfunden.

Bildergalerie:

Kontakt: Wing Lei – las Vegas
Im Wynn Hotel
3131 Las Vegas Boulevard South
Las Vegas
Nevada 89109
www.wynnlasvegas.com


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