Restaurant-Kritik: Das 17. Rheingau Gourmet & Wein Festival

17. Rheingau Gourmet & Wein Festival: 

Deutschland schafft es an die weltweite Gourmetspitze

Hans B. Ullrich ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Dies weniger, weil er, wie gemeinhin oft bombastisch formuliert wird, schon bei seinem bloßen Erscheinen den Raum füllt, sondern weil er Inspirator, Seele und Kraftquell des weltweit bedeutendsten Gourmet & Wein Festivals ist, und weil dieses sich in seinem Hotel im Rheingau abspielt und weil er als eine Persönlichkeit auftritt, wie sie in Deutschland nur noch recht selten zu finden ist, als Gentleman der alten Schule.

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Nun mag eine derartige Laudatio bereits zu Beginn eines Berichts als arg übertriebene Bewunderung angesehen werden, indessen wird kaum jemand, der das Rheingau Festival seit einigen Jahren verfolgt hat und dabei seinen Schöpfer aus nächster Nähe erleben konnte, sich dieser Charakterisierung verweigern können.

 

17. Rheingau Gourmet & Wein Festival: Ein paar Fakten zum 17. Festival vom 21. 02. Bis zum 06. 03. 2013:

• 6. 000 verkaufte Karten
• 4. 000 ausgegebene Couverts
• 50. 000 gefüllte Gläser
• 50 Michelin Sterne
• 150 Weingüter aus 10 Ländern

Wie das meiste Großartige auf unserer Welt fing es durch eine Zufall und ganz klein an.
Der höchst erfolgreiche Frankfurter Rechtsanwalt Ullrich tätigte 1988 ein ungewöhnliches Investment, indem er sich an der Rheingauer Traditionsherberge „Krone“ in Assmannshausen beteiligte. Als er feststellen musste, dass diese ein ziemliches Zuschussunternehmen war, engagierte er sich direkt in der Führung des Hotels, um das Haus in die Gewinnspur zu bringen.

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Dadurch erwarb er erste Erfahrungen im Hotelmanagement. Durch einen Zufall bot ihm ein Freund die Übernahme des zwar althergebrachten aber arg darniederliegenden „Kronenschlößchen’s“ in Hattenheim an. Mit diesem Kauf entschied sich Ullrich für einen Wechsel seines Berufes, besser er fand seine Berufung!

Ein anderer Zufall bescherte ihm die Bekanntschaft mit einer damals sehr fachkundigen Gourmet-Journalistin (heute soll diese Spezies kurz vor dem Aussterben stehen), welche ihm begeistert von einem Food and Wine Festival in Kalifornien berichtete. Eigentlich gibt es keine Zufälle am Band, aber für Ullrich existiert das „eigentlich“ nicht und wider allen Erwarten reagierten die Amerikaner sehr offen auf seine Anfrage eines Erfahrungsaustausches, übrigens völlig anders als deutsche Hoteliers und Spitzenköche, welche oft sogar noch heute ihr Kirchturmdenken eifrig pflegen.

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1996 war es in Deutschland das erste Gourmet-Festival, und auch sonst gab es weltweit nicht sehr viele. Heute werben weltweit mehr als 450 Festivals um die interessierten Gourmets und um vermögende Gäste, allein in Deutschland sind es etwa 30 und in Europa wohl an die 125. Kein Festival hat es jedoch geschafft, über die Anziehungskraft des Rheingauers hinaus zu wachsen.

Immer wieder wird beklagt, dass die deutsche Spitzen-Gastronomie international nicht die Bedeutung genießt, die ihrem Leistungsniveau entspricht. Hier hat es eine Persönlichkeit geschafft, eine deutsche Gourmet-Veranstaltung zuerst in die Weltspitze zu führen, dann sich darin halten und nun schon jahrelang diese Weltspitze zu bestimmen. Ullrich hatte und hat zahlreiche Mitstreiter, aber auch etliche Neider und Missgönner, doch um in Deutschlandetwas etwas Außergewöhnliches zu erreichen, ist die innere Kraft einer Persönlichkeit erforderlich.

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Das Programm des Festivals wird jährlich in sagenhafte 600. 000 Exemplaren gedruckt, verschickt und einigen Zeitungen sowie Gourmet-Magazinen beigefügt. Diese breite Streuung hat einen speziellen Hintergrund. Ullrich möchte der Gefahr ausweichen, dass durch immer dieselben Gäste das Festival zu eine reinen Insider-Veranstaltung mutiert. Deshalb bemüht er sich, jährlich wenigstens ein Drittel neue Gäste zu gewinnen. Die Veranstaltungen sind – wie man sich vor Ort leicht überzeugen kann – zu über 90 Prozent ausgebucht, und etliche sind bereits nach wenigen Tagen ausgebucht, so dass in den Wartelisten nur noch Hoffnung auf einzelne Stornierungen bestehen.

Bei erfolgreichen Unternehmen fragen die Wissenschaftler nach den Erfolgsfaktoren. Das Rheingau Festival basiert auf deren drei:

• Die Veranstaltungen finden nur an einem Ort statt, dort treffen sich an der Bar abends auch Gäste mit Köchen und Winzern.
• Es werden nur Zwei- und Drei-Sterne-Köche eingeladen, so dass die Einzigartigkeit erhalten bleibt.
• Sämtliche Winzer und Köche müssen persönlich anwesend sein, sie sollen „ihre“ eigenen Erfolgsgeschichten erzählen.

Schaut man ein wenig hinter die Kulissen dieses Festivals, dann ist das Erstaunliche die logistische Leistung. Allein sieben Zwei- und acht Drei-Sterne-Köche, die als Koch-Künstler allesamt auch mit divenhaften Eigenheiten versehen sind, nahtlos in ein Organisationsgefüge zu bringen, im Wesentlichen mit der hauseigenen Stammbelegschaft, auch das ist Weltklasse.

In diesem Jahr betrug das Budget etwa 800. 000 Euro, was nicht allein aus den Kartenverkäufen sondern auch durch zahlreiche Sponsoren zusammen kam, wobei sich letztere nicht, wie weithin bei ähnlichen Veranstaltungen erduldet, in den Vordergrund drängen bzw. sogar dem Gast aufdrängten. Nein, Ullrich achtet darauf, dass alles gesittet zugeht. Auch zu kulinarischen Modeerscheinungen hat er eine zwar höflich formulierte aber inhaltlich eindeutige Meinung:

„Bei den Trends hat es innerhalb kurzer Zeit starke Veränderungen gegeben. Nachdem jahrzehntelang die französische Kochkunst die Gourmetwelt bestimmte, hatten die Asiaten mit ihrer Aromaküche an Einfluss gewonnen. Die „Molekularküche“ mit ihren exzentrischen Übertreibungen hatte zum Glück nur kurzen Bestand, während die Spanier, mit Ferran Adrià an der Spitze, nachhaltig neue Qualitätsstandards setzten. Zuletzt sorgte die skandinavische Küche für Furore mit ihrer „back to basics“-Philosophie. Dieser letzte Trend aus Skandinavien mit Gerichten wie: rohes Rinderherz, lebende Ameisen im Kartoffelpüree, Frischling in der Erdkuhle gedünstet, lebende Garnelen oder Carpaccio vorm Hirschpenis, ist jedoch höchst umstritten. Eine „Kreativküche“ dieser Art … wird von uns nicht ins Festival übernommen.“

17. Rheingau Gourmet & Wein Festival

Hans B. Ullrich
Hotel Kronenschlösschen
Rheinallee
65347 Eltville-Hattenheim
www.kronenschloesschen.de

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