Restauranktritik: Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in Dresden

Restaurant im Hotel Schloss Eckberg: Ein unerwartetes Leuchten an einem unbekannten Ort

Nach einem ausgedehntem Besuch der Gemäldegalerie „Alte Meister“ in Dresden und der weltweit einzigartigen Kunst-Schmuck-Sammlung „Grünes Gewölbe“ hatten meine Dresdner Freunde und ich Hunger bekommen. Sonntags haben die Gourmetrestaurants in Dresden geschlossen.

Meine Freunde fuhren uns auf die andere Elbseite, wo einstmals die wohlhabenden Dresdner sich architektonisch ausgetobt hatten, um nach etlichen Jahren wieder einmal das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg zu versuchen. Am Abend zuvor hatte ich noch im einzigen Zwei-Sterne-Restaurant der neuen Bundesländer gegessen, im Falco in Leipzig. Jetzt – so vermutete ich – war ich in einer anderen Welt angekommen.

Restaurant im Hotel Schloss Eckberg: Ambiente – traumhafter Blick über das barockene Dresden

Schloss Eckberg liegt auf einem Hang hoch über der Elbe (im Ortsteil Loschwitz) inmitten eines kleinen und bestens gepflegten Gartens. Das Klima erlaubt hier seit über 350 Jahren den Weinanbau. Der Blick auf Dresden gehört zu den romantischen Erlebnissen in dieser kunstreichen Stadt. Das in einem neugotischen Stil vor 150 Jahren als Laune eines wohlhabenden Dresdner Kaufmanns erbaute Schloss, passt sich an die Landschaft an, und ist nach der Wende von einem Münchner Unternehmer liebevoll restauriert worden.

Gruß aus der Küche – eine Überraschung

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenEin Gruß aus der Küche hat sich in der Gastronomie inzwischen weit etabliert. Allerdings wusste ich nicht wie weit, bis ich in dieses Restaurant kam. Nach den Schilderungen meiner Freunde hatte ich von diesem Restaurant nichts als eine Kleinigkeit zu Essen und einen angenehmen Abend mit meinen Freunden erwartet. Als ein Gruß vorgestellt wurde, war diese Tatsache an sich schon überraschend, seine Vielfalt und Qualität aber noch mehr.

Er war komplex kombiniert, mit verschiedenen Ausgangsprodukten, mit Texturvarianten und mit einer Aromenabfolge. Auf einem kleinen Rösti war ein mit Frischkäse gefüllter Matjesring platziert, auf dem sich einige Körner von Forellenrogen befanden. Am Rösti war eine Scheibe Radieschen angelehnt. Daneben stand ein Röllchen von saurer Gurke mit einem eingesteckten Kräuterzweiglein. Obgleich einige Kartoffelteilchen auf der Oberfläche des Rösti schon arg dunkel geraten waren, verband sich das warme Rösti angenehm mit dem milden Geschmack des Matjes. Der Rogen zerplatzte mit einem Knacken im Mund. Die Säure des Matjes war zurückhaltend, dadurch konnte das milchige Aroma des Käses wirken, doch wenn dann die Gurke aufgenommen wurde, kamen etwas kräftiger essigsaure Noten hinzu. Dem Koch war mit diesem kleinen Teller eine perfekte Feinabstimmung gelungen.

Vorspeisen – die Überraschungen setzen sich fort

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenDas gelungenste Gericht des Abends war erneut eine Überraschung: Zart gebratenes Kalbstatar mit BBQ-Frischkäse und einem Wachtelei. Nach meinen anerkennenden Bemerkungen zum Gruß wollte mir die Küche wohl etwas Gutes tun und servierte den Teller mit gleich drei Wachteleiern. Es war trotzdem ein Genuss! Die Oberfläche des Tatar war zwar nur leicht angebraten, aber so geschickt, dass Röstaromen sich noch in die Frische des Fleisches einbringen konnten. Der Frischkäse war zurückhaltend mit BBQ-Noten versehen und deshalb tatsächlich nur begleitend, aber nicht dominierend. Um das Tatar herum waren kleine Steinpilze aus Ungarn, Champignon aus Deutschland und Shiitaki-Pilze aus Holland so in Teilen angeordnet, dass sie die schon ohnehin erhebliche Aromenbreite noch zusätzlich vergrößerten. Auch hier hatte sich der Koch an Vorbilder zwar angelehnt, aber mit der Zugabe von Frischkäse und den drei Pilzvariationen eigene Kreativität eingebracht.

Dieser Teller hätte auch in jedem Sternerestaurant seine Berechtigung gehabt.

Als Zweite Vorspeise probierten wir eine Wildconsommé mit Gänseleberwürfel und einer Praline von der Wachtel. Auch diese war korrekt abgeschmeckt und zudem ebenfalls optisch gelungen.

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenDie Weinkarte war nicht überragend, enthielt jedoch einige bemerkenswerte Weine. Der Auxerrois Kabinett trocken, Malterdinger Bienenberg von Bernhard Huber aus dem Jahr 2011 hatte es mir angetan. Er ist ein selten angebauter Verwandter des Chardonnay. Hier verknüpfte er geradezu elegant seine weiche Cremigkeit mit der Textur des Tatars. Anfangs entwickelte er etwas Süße, in der darauf Noten von Gartenfrüchten wie Birne und Pfirsich hinzutraten, welche den Frischkäse elegant begleiteten.

Hauptgericht – das Gegenteil von nicht gut ist gut gemeint

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenMeine Freunde hatte noch niemals Wagyu-Rind gegessen. Deshalb bestellten wir diese Empfehlung des Kochs. Wieder trat etwas ein, was ich schon oft in anderen ähnliche ausgelegten Restaurants erleben musste. Die Küche stellt sich einen gehobenen Anspruch, versäumt es aber, den Service entsprechend zu trainieren. Entweder reicht das Geld nicht zur Bezahlung wirklich guter Mitarbeiter, oder es reicht die Zeit dafür nicht, oder das Verständnis für eine umfassende Restaurant-Leistung ist nicht vorhanden. Der Blickwinkel ist eben bloß einseitig. Die junge Dame konnte nichts erklären und fragte auch Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in Dresdennicht, wie wir das Steak gebraten haben möchten. Wir ließen es darauf ankommen, und prompt kamen die vier Steaks mit einer etwas stärkeren Garung als Medium. Allerdings konnte selbst dieses Missgeschick nicht verhindern, dass die ungewöhnlich milde Zartheit dieses Fleisches zu spüren war. Bohnen und Bratkartoffeln waren direkt auf dieses phantastische Fleisch gelegt, die Soße darüber gegossen. Das Steak machte einen traurigen Eindruck! Auch in seiner Variante mit Kartoffelpüree schaute es nicht viel freundlicher drein. Die Soße war leicht schleimig angedickt und die Bratkartoffeln zu schwach gewürzt. Gar nicht passten die angelegten Shiitake-Pilze dazu. Sie sind generell kaum aromatisch und etwas gummiartig. Nur in Kombination mit anderen, oder bei entsprechender Zubereitung können sie ihren Reiz entfalten. Ein kulinarisch tolles Grundprodukt kam eine zu geringe Präzision und Konstruktion, letztlich durch Nachlässigkeit und Unüberlegtheit nicht zur Geltung.

Dessert – gelungene Erinnerung

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenSeit meinen Kindertagen bekomme ich ein angenehmes Gefühl im Mund, wenn ich den Begriff „Kalter Hund“ lese. Es war der beste Kuchen, weil in ihm die meiste Schokolade und er lange haltbar war. Hier kam ein im Ansatz „dekonstruierter“ kalter Hund von Valrhona-Schokolade mit einem Himbeercoulis. Eine traditionelle Süßspeise war mit exzellenten Grundprodukten zu einem kleinen Gourmet-Dessert verfeinert worden. Ein zweites Dessert war ein Topfen-Nougat-Knödel mit Portweinsabayon. Auch dieses war in seiner Kombination(schöne Wechselwirkung der Aggregatzustände) und Zubereitung (warm und leicht) gut gemacht. Nach der Pleite mit dem Hauptgericht waren die Desserts ein gelungener Abschluss.

Fazit – den Sternen nacheifern und noch Geduld haben

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg in DresdenDer junge Koch Martin Thomas hat sich ein wenig in der Welt umgeschaut. So war er auch einige Monate in der Küche des Zwei-Sterne-Koches Diethard Urbansky im Dallmayr-Restaurant. Dort hat er sich einiges abgeschaut und in seiner heimischen Umgebung in Dresden umgesetzt. Er möchte eine gehobene bürgerliche Küche verfeinert servieren. In Teilen gelingt ihm dies schon. Er verdient weitere Unterstützung und zukünftig mehr Beachtung.

Anschrift

Das Restaurant im Hotel Schloss Eckberg

Schloss Eckberg

Hotel und Restaurant
Bautzener Str. 134
01099 Dresden

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