Neuseeland – Pinot Noir vom Ende der Welt

Neuseeland – Pinot Noir: Während des Rheingau Gourmet & Wein Festivals gehören reine Wein-Verkosten zu den quasi Standard-Veranstaltungen. Dabei sind die Verkostungen alter Weine oder die Kredenzen weltberühmter Güter die großen Publikumsrenner. Trotz der erheblichen Anzahl von Plätzen in größeren Räumen oder im Zelt müssen oft Wartelisten angelegt werden. Die Verkostung von Pinot Noir Weinen aus Neuseeland ließ derartiges jedoch nicht vermuten. Erst seit drei Jahrzehnten werden am – aus unserer Sicht – südlichen Ende der Welt Pinot Noir Reben angebaut, besser ausgedrückt: es wird damit experimentiert.

Neuseeland – Pinot Noir: Die Produzenten von Sauvignon Blanc haben auch bei uns schon einen Namen, allen voran die Region um Malborough und die Marke Cloudy Bay. Rotwein ist eher aus Australien bekannt und dabei vor allem durch die Sorte Syrah/ Shiraz.

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Insofern waren die Veranstalter bass erstaunt, als 80 Gäste sich zu dieser Verkostung anmeldeten. Der Raum war proppevoll und die Spannung enorm.

Vor den Teilnehmern standen acht leicht gefüllte (die aber zusammen auch eine ganze Flasche ausmachten, und das am Nachmittag …) Probiergläser mit roter sehr unterschiedlich duftenden Flüssigkeiten. Die erste große Querprobe von neuseeländischem Pinot Noir in Deutschland konnte beginnen!

Der Sommelier und Weinhändler Kai Schattner führte in die Rot-Wein-Welt Neuseelands ein und wurde manchmal mit Fragen geradezu überhäuft. Hätte ihm nicht der Zufall in Anwesenheit von Günther Thies, dem Managing Director des Gutes Elephant Hill (früher im Rheingau tätig) zur Seite gestanden, wären manche erstaunlich detaillierte Fragen unbeantwortet geblieben. Es war schon aufschlussreich, wie intensiv sich deutsche Genuss- und Weinmenschen mit den ungewöhnlichsten Wein-Regionen unserer Welt beschäftigen. Als ich vor einigen Wochen in den USA amerikanische Journalisten fragte, warum die Amerikaner so schlechte Autos bauen und weshalb die deutschen Autos, obgleich die teuersten, als die besten angesehen werden, lautete die Antwort:

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„Ihr Deutsche wollt eben alles perfekt machen.“
Ich empfand dies als ein Kompliment und hatte bei dieser Verkostung sowie der Befragung der nun weiß Gott kundigen Herren Schattner und Thies denselben Eindruck. Viele der Teilnehmer waren nicht einfach nur neugierig zur Verkostung gekommen, sondern hatten sich perfekt vorbereitet. Welch ein glücklicher Zufall, dass der Pinot Noir von Günter Thies sich als einer der besten des Nachmittags herausstellte. Da das Gut jedoch im Jahr 2007 seinen ersten Pinot Noir überhaupt gekeltert hat, dürfte die Charakterisierung mit der deutschen Perfektion auch auf ihn zutreffen. Am Abend zum Dinner mit Christian Bau schenkte er dann noch einen Syrah von 2008 seines Gutes aus. Wobei diese Sorte mit 30 Prozent der Anbaufläche die wichtigsten Rotweinsorte des Elephant Hill Gutes ist.

Neuseeland – Pinot Noir: Es wurde sehr viel über das unterschiedliche Terroir auf den beiden Inseln diskutiert (von Beach-Nähe bis zu 1. 000 m), über die Anbaumethoden (immer wieder erneut unterschiedliche Klone ausprobieren), den Ausbau im Keller (mehr Gewicht als im „Weinberg“), die einfacheren Vorschriften in Neuseeland (z. B. keine Mengenbegrenzungen beim Ertrag), über die Anstrengungen „organic“-Weine zu erzeugen (wichtig für den Export in die USA und nach Deutschland), die Witterungsbedingungen in den verschiedenen Jahrgängen (extreme Schwankungen), die Anzahl und die Unterschiede bei den Weingütern (zwischen 1985 und 2. 000 sind fünfhundert neue Weingüter entstanden mit teilweise über 400 ha) und vor allem über die „Jungfreulichkeit“ dieses Weinbaugebietes, ohne die mentalen Schranken unseres alten Kontinents.

Da ich mich mehr auf die Verfolgung der Diskussion konzentrierte hatte meine Frau sich ganz der Weinverkostung hingegeben.

Zu den acht flights hatte sie sich folgende Bemerkungen notiert:

1. 2009 Palliser Estate: fleischig und leicht astrigierend
2. 2010 Schubert Estate: anfangs beschwingt, dann zu harter Abgang
3. 2010 Spy Valley Envoy: duftet nach Pfeffer, unausgegorener Geschmack
4. 2009 Weingut Villa Maria: voluminös, bestens mit Steaks
5. 2011 Elephant Hill: hat schon Kraft, leichte Süße mit Nachklang, Männerwein
6. 2009 Pegasus Bay: leicht und ein wenig lieblich, Wein für junge Frauen
7. Quartz Reef: wenig eigener Charakter, zu viel Oberfläche
8. Felton Road: ähnlich wie Nr. 4, aber im Körper subtiler

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