Kurzkritik: Food-Maerkte in London

Food-Märkte in London

Food-Maerkte in London: ENGLISCHER ISOLATIONALISMUS UND ESSENS-STIL

Die meisten der europäischen Metropolen haben eine spezifische Eigenart, die ihren Besuchern sofort ins Auge springt. In Paris werden sie von einem Meter auf den anderen in eine Duftwolke eingehüllt, welche aus einem der zahlreichen Parfümerien strömt. In Mailand stolpert der Besucher auf Schritt und Tritt über eines der unzähligen kleinen und größeren Schuhgeschäfte. In London wird er irgendwann in die Falle eines der Fast-Food-Lokale geraten, die sich über weite Strecken wie Perlenketten die Straßen entlangziehen. Er weiß vorher nur nicht, welche Länderküche ihn anziehen wird, denn ihre Vielfalt ist unübersehbar groß. Selbst New York kann mit diesem kosmopolitischen Speisenangebot nicht mithalten.

Zumeist sind die darin angebotenen Speisen nicht nur schlicht, sondern auch schlichtweg einfach nur schlecht, dafür aber auch billig. Etliche Köche in familiengeführten Lokalen bemühen sich um bessere authentische Qualität. Und einige wenige sind echte Perlen, aber deshalb auch ähnlich schwer zu entdecken.

Food-Maerkte in London: Angesichts dieser Vielfalt vermutete ich grandiose Food-Märkte in London, grandios sowohl in ihrer Vielfalt als auch in ihren Dimensionen.

Meine Vermutung hat mich getrogen. Im Vergleich zu anderen Metropolen ist London arm an guten Food-Märkten.

Fast alle der angepriesenen Märkte sind gemischte Märkte. Klamotten, Antiquitäten, handgefertigte Accessoires und Fast-Food-Buden dominieren. Sie sind von Touris überlaufen, sicherlich pittoresk, sicherlich exotisch und ganz sicherlich zum Bummeln, zum Anfassen und zum Handeln geeignet, für deutsche Verhältnisse auch sehr groß, manchmal riesig groß, indes aber ungeeignet, um interessanten Lebensmitteln nachzuspüren.

Food-Maerkte in London: Der „Borough Market” in London

Borough MarketWer das Lebensgefühl Münchens erfahren möchte, sollte zuerst den Viktualienmarkt besuchen. Wer in Barcelona der katalanischen Lebensweise nachspüren will, sollte damit im La Boqueria beginnen. In Paris bieten sich dafür in etlichen Arrondissements eine Vielfalt von Märkten an.

London bietet dem Gast dafür eigentlich nur einen einzigen Markt an. Zwei weitere, in Reiseführern Angepriesene erweisen sich als Etikettenschwindel. Sie sind keine vorwiegend auf „Food“ ausgerichteten Märkte.

Der Borough Market ist der einzige, dem reinen Essensgenuss vorbehaltene Markt in London. Aber auch dieser Markt ist kein Markt für das Lebensgefühl dieser Stadt, denn er ist ein englischer Markt. Er gibt das englische Lebensgefühl wieder. Seine Veranstalter geben eine kleine Zeitschrift nur für den Markt heraus. Zwar dient sie letztlich der Werbung für den Markt, aber sie ist recht vielseitig gestaltet. Vorstellungen von Marktteilnehmern, kleine Interviews, Rezepte, Erläuterungen von Produkten und anderes mehr wechseln sich miteinander ab. Auf seiner ersten Seite prangt eine markante Aussage: The Global Village. Darunter werden aus mehreren Dutzend Ländern rund um den Erdball stammende, einzelne Verkaufsstände auf dem Markt benannt. Sie prägen jedoch überhaupt nicht das Gesicht des Marktes. Vielleicht wollte die Leitung des Marktes damit auch nur einen Beitrag zur Stimmung während der Olympiade abgeben. Keinesfalls entspricht dieser Markt der kosmopolitischen Atmosphäre Londons. Dabei spricht es für ihn – und gegen die Werbung –, dass es keine der typischen chinesischen und indischen Stände gibt, denn beide sind mit weitem Abstand die in London dominierenden Küchen.
Der Markt wirkt wie ein Aufbäumen gegen diese Atmosphäre, wie ein Aufruf zu einem englischen Selbstbewusstsein. Er ist ein Relikt aus der Zeit des Good Old England (er Borough Marketbefindet sich auch tatsächlich fast 300 Jahre an dieser Stelle), und er braucht dafür auch nicht schön zu sein. Seine Ästhetik wirkt wie aus einem mittelalterlichen Film, nur dass die Burg im Hintergrund und die Ritter zu Pferd fehlen. Genau deshalb ist er – wie auch die Märkte in verschiedenen anderen europäischen Metropolen – ein eindrucksvoller Markt, nur eben so ganz anders, nicht so modern und so durchgestylt, überhaupt nicht austauschbar und deshalb sehr eigenständig. Er ist das Food-Gesicht des englischen Selbstbewusstseins. Deshalb stehen im Mittelpunkt des Marktes Stände mit Bezeichnungen wie:

  • Mrs King’s Melton Mowbray Pork Pies (Pasteten aller Art)
  • Gamston Wood Farm Ltd (nur exotisches Fleisch wie Strauß, Känguru, Krokodil, Zebra oder Springbock
  • Northfield Grill– Londons „Über“-Burger
  • Sillfield Farm –Wild Boar and Rare Breed Pig (Wildschwein, seltene Schweinerassen)
  • Cinnamon Tree Bakery (hübsch dekoriertes, handgemachtes Gebäck)
  • My Sweet Family Recipe
  • Mountains Boston Sausage (handgemachte Würstchen)
  • Chegworth Valley – Organic (biologisch angebaute Früchte und Fruchtsäfte)
  • The Rabot Estate Chocolate Shop
  • Furness Fish Markets
  • Dry Cured Cumberland Bacon and Hams (getrockneter, geräucherter, gepökelter und gekochter Schinken)
  • Lee Brothers Potato Merchants
  • Roast Hobbs Meat (mit Fleisch gefüllte, warme Baguettes auf die Hand)
  • The Ginger Pig, Rare Breeds North York Moors (Fleisch aller Art aus eigener Zucht)
  • Shell Seekers (nur mit Muscheln und Austern)
  • Pie Minister – Award Winning Price, Bristol (handgemachte Pasteten)

Das interessanteste Geschäft des Marktes gehört eigentlich gar nicht dazu. Da es sich jedoch nur wenige Schritte entfernt in der kleinen Seitenstraße Park Lane befindet, wird es automatisch mit ihm in Zusammenhang gebracht. Neal‘s Yard Dairy ist ein grandioser Käseladen, wie er in Ausgestaltung und Angebot nur in England zu finden ist. Über 60 verschiedene Käsesorten sind zwar ein großes Angebot, aber auch wieder nicht so groß, um richtiggehend außergewöhnlich zu sein. Wenn jedoch davon nur vier oder fünf Sorten nicht von den britischen Inseln stammen, dann ist diese Menge bemerkenswert groß, und sie wird eindrucksvoll präsentiert. Runde Käselaibe stehen wie kleine Säulen in den Holzregalen, hinter der Verkaufstheke sind sie zu kleinen Pyramiden aufgetürmt, und in der Ecke strömt Wasser aus einer Brause in ein Holzfass, um so die Luftfeuchtigkeit hochzuhalten.

Borough MarketSelbst wenn der Besucher sich nur informieren und nicht kaufen möchte, hier muss er kaufen. Der Gast muss sich umsehen, an einige Käselaiber dicht herantreten, um ihren besonderen, den nur ihnen eigenen Duft einzuatmen, er muss ihre Farben genießen, er muss die Verkäuferin nach den Eigenheiten der ihn interessierenden Sorten fragen, nach ihren Erzeugern, und dann, ganz am Ende, kommt der Kaufrausch über ihn. Er sollte jedoch mit dem Verzehr nicht bis zu seinem Hotel oder gar bis nach Deutschland warten.

Nein!

Sofort über die Straße gehen, im Pub „Market Porter“ ein Pint Lager kaufen, das Bier draußen auf einer Bank abstellen, voller Gier hastig die Verpackung aufreißen (nicht vergessen: Im Vorraum des Käseladens ein Brötchen kaufen!) und dann hemmungslos von jeder gekauften Käsesorte schlemmen!

Smithfield Meat Market

Smithfield Meat MarketIn dem altertümlichen Apparat von George klingelt es. Kurz wendet er sich von mir ab, nimmt den Hörer auf, und bringt es fertig, zur gleichen Zeit mit dem Mann am anderen Ende der Leitung zu sprechen wie auch die Unterredung mit mir fortzusetzen. George spricht bestes Londoner Cockney, aber trotzdem kann ich jedes zweite Wort verstehen. Allerdings bleibt mir der tiefere Inhalt seiner Äußerungen völlig verborgen. Dieses zweite Wort ist nämlich immer dasselbe F…-Wort, und das Erste verstehe ich leider nicht. George jedoch scheint mich perfekt zu verstehen, denn nach kurzer Zeit bezeichnet er mich als einen seiner besten Freunde. Das genau ist es, was ich erreichen wollte, selbst wenn ich nicht weiß, wie es geschah.

Smithfield Meat MarketNach meinem Frust mit etlichen, in den Touri-Führern hochgelobten Londoner Märkten meinte ein Taxifahrer zu mir, ich solle mich doch einfach einmal auf dem Londoner Fleisch-Großmarkt umsehen. Als ich an einem der Eingänge den schweren Plastikvorhang beiseiteschob, stand ich in einem riesigen, menschenleeren Hallenschlauch und vernahm nach wenigen Sekunden hinter mir tiefe, sich englisch anhörende Laute. Ich drehte mich um und erblickte einen kleinen, untersetzten Mann mit einer blutverkrusteten Schürze. Noch bevor dieser mich eventuell hinaus komplimentieren konnte, spulte ich geschwind meine Litanei von dem deutschen Food-Journalisten ab, der über Londoner Food-Märkte schreiben wolle, aber bisher nur auf Touri-Scheiß getroffen wäre, und nun darauf hoffe, sich endlich im Zentrum des englischen Fleischhandels zu befinden, und – ganz entscheidend! – ob er mir dabei nicht helfen könne. Ich hatte den richtigen Nerv von George getroffen. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück gehabt, denn zu diesem Zeitpunkt, 10 Uhr morgens, war der Markt bereits seit zwei Stunden geschlossen. Zudem erfuhr ich bei meinem nächsten Besuch, dass George eigentlich Bulgare ist und als der witzigste Händler des ganzen Marktes gilt. George bat mich an einem anderen Tag wiederzukommen, irgendwann zwischen Mitternacht und 7 Uhr, dann wolle er mir den ganzen Markt zeigen.

Smithfield Meat MarketAm nächsten Morgen gegen 5 Uhr früh bin wieder zurück unter den riesigen gusseisernen Bögen aus der Zeit viktorianischer Architektur, an einem Ort, an dem seit über acht Jahrhunderten mit Fleisch gehandelt wird. London hat drei auf Lebensmittel spezialisierte Großmärkte. Der für Fisch (Billingsgate Market) und der für Gemüse (New Spitalfields Market) liegen weit am Rande der Stadt. Der für Fleisch befindet sich inmitten ihres Zentrums. Er ist für jeden Besucher geöffnet. Dieser muss nur bereit sein, früh genug aus dem Bett zu kommen, oder in einer der vielen umliegenden Bars, Pubs, Cafés und Restaurants lang genug auszuhalten, um kurz nach Mitternacht die Öffnung des Marktes mitzuerleben.

Aber was könnte er dort erleben?

Zuerst ist es die imposante Architektur der Hallen, welche allerdings vor allem ihr „Gerüst“ betrifft. Danach gibt es nur Fleisch zu sehen, aber zumeist nur durch die Fenster enormer, langgestreckter Kühlräume, dafür in Massen und aufgehängt an langen Transportketten, deren Ende nicht zu erkennen ist:

  • Ganze, ausgenommene und markierte Schweine
  • Halbierte Schweine
  • Schinken mit Schwänzen
  • Ganze, ausgenommene Rinder
  • Rinderhälften
  • Rinderstücke aller Art

Und

  • Berge von Steaks in unglaublichen Ausmaßen
  • Wachteln, Hühner, Enten, Gänse, Puten
  • Teile dieses Geflügels
  • Englische, rohe Würste und Salamis

Und

  • Metzger, die sägen, hacken, schneiden

Und

  • Immer wieder freundliche Engländer hinter ihren Verkaufsständen

Reicht das aus für normale Touristen? Ganz sicher nicht! Sie würden sich an diesem prallen Leben nicht erfreuen können. Ich schon indessen!

Columbia Road Flower Market

„Three for two!“, schreit der eine Händler.

Der Andere: „Here best price!“

Ein Weiterer: „My F´flowers with guarantee!“

Ich bringe mich ein: „Here five for four and the absolute best price!“

Columbia Road Flower MarketIm ersten Moment blicken sich die Händler verwundert um, dann lachen sie mich lauthals an und wollen mich mit ihrer Lautstärke überbieten. Ich halte dagegen, dann umarmt mich einer, und wir schreien im Chor. Andere Händler halten anerkennend die Daumen nach oben, und die Besucher amüsieren sich über diese ungewöhnliche Erscheinung.

Der Columbia Road Flower Market findet nur sonntagmorgens statt. In kaum einem der gängigen und schon gar nicht in den kleineren Reiseführern wird er erwähnt. Er ist auch bei Weitem nicht so groß wie manche Blumenmärkte in Holland, aber er ist ein Markt ohne jegliche holländische Blumenhändler, und genau dies macht einen erheblichen Teil seines Reizes aus, wenigstens für den deutschen Besucher. Er ist von einigen U-Bahn-Stationen aus nur mit einem erheblichen Fußmarsch zu erreichen, aber diese Mühe lohnt sich, denn dann erlebt der ausländische Besucher ein Kleinod in London:

Columbia Road Flower MarketZahlreiche kleine exotische Bäume mit Früchten, unüberschaubar viele Blumen und Blüten aller Farben, vielfach duftende Kräuterpflanzen, lauthals ihre Blumen anpreisende, englische Händler, die mit sich handeln lassen und die mit den Besuchern albern; hinter den Ständen haben kleine Geschäfte geöffnet: Kinderkleidung, Tiernahrung, handgeschöpfte Seifen, gebrauchte Klamotten, selbst geschneiderte Klamotten, Cafés, Pubs, kioskartige Geschäfte, die ganze Buntheit einer kleinen Straße am Rande der eigentlichen Londoner City.

Als ich ihn zusammen mit meiner Frau besuchte, fing es zwischendurch heftig an zu regnen. Wir flüchteten uns in ein klitzekleines Restaurant, eher wie eine Kantine. Dort wurden spanische Gerichte angeboten. Hinter einem Blumenstand mit riesigen englischen Hortensien aßen wir ein spanisches Frühstück. Um uns herum weit und breit kein Turi zu hören, nur derbe Laute in Londoner-Vorort-Englisch. Und überall leuchteten die Farben zu uns; dufteten die Blüten zu uns, und singen die Händler zu uns. Endlich hatten wir unseren Markt in London gefunden, der einen Besuch lohnte.

Brick Lane Market

Brick Lane MarketDer Brick Lane Market ist mit seinen ausgedehnten Hallen vor und neben der Straße in Vielem eher eine Kopie des bekannten Covent Garden, ist also mehr auf Touris ausgerichtet, als dass er einen eigenständigen Charakter aufweist, der auf authentische Art und Weise das Lebensgefühl in London widerspiegelt. Allerdings verwandelt sich sonntags der hintere Teil einer Halle in einen internationalen „Food Court“. In den Ständen wird auf mobilen Geräten gekocht, wie es sonst in Europa nirgendwo zu erleben ist:
Originale Gerichte der verschiedenen chinesischen und indischen Regionen, was normal für London ist, ebenso spanische, italienische, japanische und mexikanische Selbstverständlichkeiten, dazu argentinische Empanadas, arabische Falafel und gleichfalls britische Pies, aber auch Gerichte aus eher unerwarteten Regionen wie litauische Frikadellen, kubanische Moros y Cristianos mit Schweinefleisch, äthiopische vegetarische Gerichte, malaysische süße Pancakes, marokkanische Tajines, karibische Kochbananen und, und, und.

Über allem hängt ein einheitlicher Duft, in dem die Curryaromen, Bratnoten und Sojadünste dominieren. Alle Speisen werden sauber präsentiert, ihre Zubereitung ist nachvollziehbar und die Produktqualität wenigstens ordentlich. Das kann zwar immer noch als Fast Food bezeichnet werden, aber der Wettbewerb dieser fast unübersehbar vielen Stände führt zu einem recht akzeptablen Qualitätseindruck. Dies sind nicht einfach nur „Curry-Buden“ wie einer meiner Englisch-Lehrer meinte, sondern das sind Stände, an denen so manche regionale Spezialität entdeckt werden kann. Curry-, Pasta- und Frittenbuden sind auch dabei, doch was soll’s.

Am Rande des Marktes ist noch eine weitere Eigentümlichkeit der Londoner Food-Szene zu beobachten. Über einem Restaurant steht groß geschrieben: „The Winner of Ethnical Good Food Award“. Das Restaurant direkt daneben trägt den Titel: „The Worlds Best Curry House“. Und das darauf Folgende: „The Oldest Restaurant in Brick Lane“, es ist ein arabisches. Etwas weiter entfernt werben gleich zwei Lokale mit der englischen Tradition: „The English Restaurant – Sunday Roasts 12 – 6 pm“. Diese Betonung traditioneller englischer Gerichte ist an allen Ecken und Enden in der Stadt anzutreffen. Auf Pie spezialisierte Fast-Food-Ketten machen sogar in Bahnhofshallen den Burger-Ketten die Kundschaft abspenstig, wenngleich deutlich zu beobachten ist, dass diese vor allem die Pendler mittleren Alters im Sakko anziehen.

Vor allem das englischste aller englischen Gerichte, das „Fish and Chips“, wird inzwischen wieder von vielen Pubs, von Fast-Food-Buden sowieso, aber sogar von besseren Lokalen draußen unübersehbar angepriesen. Doch ach, es ist nicht mehr das Alte! Es ist die edlere Version, mit dünner Industriepanade, ordentlich haltbar und nur dezent krustig zu spüren, einheitlich abgeschmeckt, eben ein Produkt, welches in vielen Ländern dieser Welt zu haben ist, in Deutschland zuerst bei „Nordsee“.

Brick Lane MarketWo ist das alte Gericht geblieben?!? Die Fish and Chips, welche vor unseren Augen in noch halbgefrorenem Zustand durch eine dicke Mehlpampe (englisch „batter“) gezogen wurden, um dann im vielfach benutzten Öl nicht nur die dicke, dunkle Kruste zu bekommen, sondern zugleich auch ihr unnachahmlich verbrauchtes Öldunst-Aroma, welches nur durch einen kräftigen Schuss billigen Essigs zu bekämpfen ist, wobei ebenso reichlich Salz, Ketchup und andere kaum zu beschreibende englische Soßen, die wohl irgendwie noch Abkömmlinge der berüchtigten römischen Fischsoße sein müssen, sich als recht hilfreich erweisen?!? Nein, nein, die moderne Zeit bringt nicht immer nur Gutes mit sich! Ja, sicherlich, es war ein archaisches Gericht, aber damit auch eines, an dem man sich aufreiben konnte, an dem sogar Freundschaften zu zerbrechen drohten.

Und heute? International gleichgeschaltete Langeweile. Ein Lokal wirbt sogar damit, dass die Panade seiner „Fish“ aus reinem Semmelbrösel besteht. Wie abscheulich! Irgendwie war es früher doch besser.

Alle weiteren, immer wieder in Zeitungen oder in Reiseführern auftauchenden Märkte sind entweder nur auf einen Tag oder auch auf einzelne Regionen beschränkt (etwa der Broadway Market, der nur sonntags stattfindet und der Ridley Road Market, auf dem vornehmlich afro-karibische Spezialitäten angeboten werden). Die übrigen Märkte sind weitgehend auf Antiquitäten spezialisiert beziehungsweise auf das, was dafür gehalten wird oder es sind Touri-Rummel-Märkte (zum Beispiel Shepards Bush Market, Camden Markets, Petticoat Lane Market, Portobello Market).