Ein Mail und zwei Einladungen von „Groupon“

Das Mail kam überraschend. In den zurückliegenden Monaten hatte ich auf den Wirtschaftsseiten von FAZ und SZ immer wieder einmal von Problemen bei dieser Internetfirma gelesen. Jetzt wollte Groupon mich als Restauranttester engagieren. Sie sparten nicht mit Lob für meinen Blog, wollten aber auch nichts für meine Arbeit bezahlen, sondern mich mit zwei kostenlosen Restaurantbesuchen locken. Ich blieb skeptisch, fragte jedoch nach, um welche Restaurant es sich handeln würde.

Bereits vor Monaten hatte ich Volker Drkosch versprochen, ihn im „Victorian“ in Düsseldorf zu besuchen und über ihn zu schreiben. Das Angebot von Groupon kam mir also gelegen.

Das zweite Restaurant sollte das äthiopische Restaurant „Fasika“ in Köln sein. Ich schaute im lokalen Restaurantführer, dem „Römer“, nach: nichts. Ich blätterte im Michelin: nichts. Dann im Gault Millau: nichts. Zuletzt im Internet: nicht gerade ein überragender Internetauftritt. Dann kam der Anruf meines Sohnes, sich mit ihm in Köln zu treffen, um Marketingfragen meines neuen Buches zu besprechen. Also warum nicht im „Fasika“!

Um die Resultate vorwegzunehmen:

FasikaDer Lunch im „Victorian“ wurde ein wahrhaft beglückendes kulinarisches Erlebnis.

Das Abendessen im „Fasika“ gestaltete sich überraschend kurzweilig und informativ.

Heute berichte ich zuerst über das „Fasika“, dies zur Einstimmung für Sie, denn für die Kochkunst von Volker Drkosch benötigen Sie etwas mehr Zeit.

Entspannung auf äthiopisch im Kölner „Fasika“

Das Restaurant liegt am Rande des Kölner Studentenviertels, in einer der verkehrsreichsten Kölner Straßen, die zudem angefüllt ist mit Gaststätten, Kneipen und Imbissläden. Direkt neben seinem Eingang sind in einem kioskähnlichen Ladenlokal südamerikanische Lebensmittel zu kaufen, worunter zuerst zahlreiche Biersorten zu verstehen sind.

Das Restaurant ist rustikal eingerichtet. Wenn es am Wochenende gefüllt und schon reichlich äthiopisches St. Georges Bier geflossen ist, wird die Stimmung prächtig sein. Allerdings trägt dazu ganz wesentlich die äthiopische Art des gemeinsamen Essens bei. Für einen Single allein am Tisch hält sich der Wohlfühleffekt in arge Grenzen, würde er jedoch zu anderen Gästen an den Tisch und zum gemeinsamen Mahl gebeten, beginnt für ihn sogar in diesem etwas dunklem Lokal die Sonne des Lebens zu scheinen.

Mein Sohn und ich erhielten ein Dreigangmenü: Äthiopische Tomatensuppe, eine Platte „Gemischte Gerichte“, Kokosnussparfait.

Vergessen wird den ersten Gang. Wer wird sich schon für eine schlichte Tomatensuppe interessieren!

FasikaAls Hauptgericht wird hier am häufigsten die „Gemischte Gerichte“ bestellt, also genau das richtige für uns, um die Leistung der Küche auszuprobieren.

Die Grundlage einer jeden äthiopischen Mahlzeit ist das Injera (oder auch Ingera), ein Fladen aus Sauerteig, leicht, locker und von poröser Konsistenz, ohne besonderen eigenen Geschmack.  Dieser bedeckte jetzt vor uns einen größeren Teller, war an den Seiten umgeschlagen und auf ihm lagen eine Art Tomatensalat, ein gekochtes Ei, Hühnerteile in einer dicken Paste, kleingeschnittenes Rindfleisch in einer ähnlichen Paste, Currygemüse (zumeist Kartoffeln), äthiopischer Grünkohl, schmale gekochte grüne Bohnen, sowie eine Art trockene Frischkäsekrümel (aus Joghurt selber hergestellt) und zuletzt wurde aus einen gusseisernen und sehr heißem Kessel kleine  Streifen von Lammfleisch aufgetan. Die  Paste bestand im Wesentlichen aus eingedickten Zwiebeln und der typischen äthiopischen Gewürzmischung „Berbere“, dessen Zusammensetzung uns der Besitzer und Koch Kasahun aber nicht verriet. Herauszuschmecken waren jedoch Knoblauch, Kardamon, Cumin, Chili, Ingwer, Piment – aber sicherlich noch weitaus mehr – und: original aus Äthiopien bezogen!

Dann ging es los: Mit der rechten Hand Fladen abgerissen, über Gemüse oder Fleisch legen, mit drei Finger zugreifen und möglichst schnell in den Mund damit. Nur ja nicht Kleckern, aber bei besonderen Gunstbeweisen dem Nachbarn auch gänzlich undiskret in den Mund stecken. Also sehr urtümlich, für uns ungewöhnlich, aber durchaus verlockend.

Das Besteck wird nur für Suppe und Dessert benötigt. Für die Hände vor und nach dem Essen steht eine Schale mit warmen Wasser und Zitronenscheiben auf dem Tisch.

Jeder einzelne Bestandteil dieser Platte war ordentlich zubereitet, teilweise scharf, was aber durch den Wechsel der einzelnen Gerichte gemildert wurde, vor allem vom durchgedrehten und mit Fett angereicherten Grünkohl. Es war eine traditionelle Hausmacherkost, durchaus schmackhaft und gegen den Hunger sowie für die Unterhaltung bestens geeignet.

FasikaAuch das Dessert war selbstgemacht, was in derartigen Lokalen nun wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Das Kokosnussparfait  war aus Kokosraspeln erstellt, geschmacklich erstaunlich ausbalanciert, also nicht zu süß, und ausgesprochen angenehm mit einer Mango- sowie Avocadocreme verbunden. Auch beim Dessert empfand ich die Qualität überraschend ordentlich.

Ich bin in das „Fasika“ mit einigen Vorbehalten gegangen, eigentlich nur aus Bequemlichkeit. Ich musste mich korrigieren. Bitte erwarten Sie im „Fasika“ keine kulinarischen Höhepunkte. Das Essen war so rustikal wie die Einrichtung, aber es war auf seinem Niveau ohne Fehl und Tadel zubereitet. Wenn Sie sich bei deftiger Kost prächtig amüsieren wollen, ist das „Fasika“ der richtige Ort.

Zahlreiche exotischen Lokalitäten laden in Köln und anderswo zum Sattessen ein, kaum ein anderes vermittelt dabei jedoch das Gefühl von Gemeinschaftlichkeit wie gerade das „Fasika“.

Fasika
Luxemburger Str. 17
50674 Köln

www.restaurantfasika.com

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