Das Sra Bua im Hotel Adlon in Berlin

Tim Raue

Die Küche, die Bar, der Gastraum und die verschiedenen Nischen ringsherum waren einst für etwas ganz Anderes gedacht. Sie waren von Tim Raue für sein erstes selbständiges Vorzeigerestaurant „Ma“ konzipiert worden. Nach Auseinandersetzungen mit dem früheren Kempinski – Management zog dieser jedoch aus dem deutschen Vorzeigehotel „Adlon“ aus und in sein eigenes Restaurant in der Dutschke Straße unweit des früheren Checkpoint Charly ein. Dies war wohl eine seiner besten unternehmerischen Entscheidungen, denn ein helleres Ambiente und eine gewandelte asiatische Ausrichtung führten zu einem Besucheransturm: Mittags und abends zumeist ausgebucht!
Sein altes Lokal stand leer, bis sich der raue Wind des Managements für Tim Raue zu einem frischen Monsum drehte. Die deutschen Eigner der Kempinski Gruppe verkauften an eine thailändische Unternehmensgruppe, und diese hatte ein erhebliches Interesse, auch thailändische Küche in den eigenen vier Räumen anzubieten, selbstverständlich gemäß dem Standard des Adlons in einer gehobenen Qualität!

Was konnte schon näher liegen, als den besten deutschen Kenner der asiatischen Küche um Unterstützung zu bitten, zumal dieser mit der Zuerkennung des zweiten Michelin Sterns inzwischen auch rein optisch in die Top – Liga der deutschen Köche aufgerückt war. Dieser war überhaupt nicht abgeneigt, denn schneller konnte er kaum ein zweites Restaurant eröffnen. Damit auch alles nach seinen Vorstellungen abläuft, hat er als Chef de cuisine einen seiner besten Köche eingesetzt, Daniel Lengsfeld, erst 29 Jahre alt, aber schon seit fünf Jahren mit der Küchenphilosophie von Tim Raue vertraut und deshalb auch bestens stresserprobt.

Dieser Daniel Lengsfeld ist die Seele des neuen Flaggschiffs der thailändischen Küche in Berlin. Um sich herum hat er in der einsehbaren Küche, im Service und an der Bar eine Schar von zumeist ebenfalls jungen und erfolgshungrigen Persönlichkeiten geschart. Ihnen zusammen ist es gelungen, bereits nach wenigen Monaten, das Sra Bua in dem an exotischen Lokalen ganz gewiss nicht armen Berlin zu einem bestens besuchten Restaurant zu machen. Sogar die alte Einrichtung, ziemlich dunkel und ein wenig verquast, hat sie daran nicht gehindert.

Tim RaueZwar stimmt Lengsfeld die Karte und auch sämtliche zusätzlichen Gerichte mit Raue ab, aber allein seine neuen Ideen bringen immer mehr „Charakter“ in das Sra Bua hinein. Niemand kann heute sagen, ob aus diesem Daniel Lengsfeld einmal ein deutscher Thailänder wird, oder ob gerade wegen seines Erfolgs sein Chef ihn alsbald auf einen andere Position in seinem sich ausdehnenden Gastro-Imperium beordert, aber da jeder Gast ihn während seiner Arbeit in der Küche beobachten kann, ist es auch für jeden offensichtlich, dass hier ein Küchenchef Spaß an der Arbeit hat und damit auch seinen Service ansteckt.

Ich habe im Sra Bua zwei Gerichte ausprobiert:

  • Wolfsbarsch mit Misocreme und Obstrelish
  • Trockenes Curry mit beef tea, Gemüse und Rinderfilet

Beide Teller beinhalten zwei Hauptkomponenten, Fisch bzw. Fleisch befinden sich in einer Art von Gemüsecurry. Bei beiden Komponenten sind die Garpunkte bestens eingehalten, die Gemüsebestandteile sind noch bissfest, der Fisch ist Innen noch ein wenig glasig und das Filet leicht rosa. Bei jedem Curry besteht die Gefahr, dass die Schärfe jegliche Wahrnehmung der einzelnen Bestandteile verhindert. In diesen Gerichten war dies nicht so. Der Trockene Curry zeichnete sich sogar dadurch aus, dass sich die Schärfe erst allmählich entwickelte, und so Gemüse sowie Fleisch die Möglichkeit erhielten, Konsistenz und Aroma vorher wirken zu lassen, und erst einige Momente danach mit der Schärfe neue aromatische Akzente zu setzen. Der Fisch erhielt anfangs durch die Misocreme eine leicht salzig – süßliche Soja Aromatisierung, die sich nach einigen Momenten mit der Frucht des Relish verband, was die dann eintretende Schärfe sogar noch betonte.

Sra Bua by Tim Raue
Hotel Adlon
Behrenstraße 72
10117 Berlin

www.srabua-adlon.de