Buch-Rezension: Marmite – Die Zeitschrift für Ess- und Trinkkultur

Ich gestehe gleich am Anfang: Dies ist keine klassische Buch-Rezension! Marmite ist die beste Food-Zeitschrift der Schweiz. Deutsche Gourmets kennen sie vielleicht aus ihrem Urlaub in der Schweiz, denn sie liegt in vielen Hotels aus. In Deutschland ist sie im Kiosk leider nicht zu haben, allerdings ist die Chefredaktion stolz auf zahlreiche deutsche Abonnenten, vornehmlich in Süddeutschland. 

Marmite – Die Zeitschrift fuer Ess- und TrinkkulturVor 52 Jahren wurde sie als Vereinsorgan einer Vereinigung kochender Männer gegründet. Wie so manche anderen Food-Zeitschriften auch, hatte sie später ein wechselvolles Schicksal, zeitweise gehörte sie sogar einem deutschen Verlag, doch seit einigen Jahren gehört sie wieder einem privaten Schweizer Unternehmer, was ihrer Qualität nachweislich gut getan hat. Sechsmal im Jahr erscheint eine Ausgabe, in diesem Jahr kamen noch zwei Sonderausgaben hinzu. Ihre Auflage von 17. 000 Exemplaren ist für die deutschsprachige Schweiz eine beachtliche Leistung. Und sie wäre es für so manches deutsche Food-Magazin ebenso.

Es gibt vier feste Rubriken: Kochen, Hintergrund, Trinken, Essen. Dabei wird auch über Kulinarisches aus Deutschland (aktuell beispielsweise über die Butter des letzten Hallig-Bauern) oder über Italien und anderen Ländern berichtet. Ungewöhnlich für deutsche Food-Zeitschriften sind Berichte über Produktionsmethoden in der Nahrungsmittelproduktion, auch in der industriellen. Ebenso wird die Zigarre als ein Genussmittel behandelt.

Marmite – Die Zeitschrift fuer Ess- und TrinkkulturDer Chefredaktor (schweizerisch!) Andrin C. Willi verfügt über viele Eigenschaften eines guten Chefredakteurs, nur über eine, die vielen seiner deutschen Kollegen eigen ist, verfügt er nicht: Über vorauseilenden Gehorsam gegenüber meinungsstarken Lobbygruppen oder Weltverbesserern. Das ist einer der Gründe, warum sich marmite so wohltuend gegenüber deutschen Gourmet-Publikationen abhebt.

Es lässt sich in Deutschland kein Food-Magazin finden, welches der marmite nahekommt. Andrin C. Willi hat sich in seinem letzten Editorial lustig über den Gebrauch des Adjektivs „authentisch“ gemacht. Lieber Herr Willi! Für mich ist marmite eine schweizerische Authentika.

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