Koch des Jahres auf der ANUGA

Das ganze Jahr über wird in Deutschland irgendwo ein neuer Koch des Jahres kreiert. Jeder Restaurantführer will ihn haben, jede Gourmetzeitschrift muss ihn krönen und auch im Internet wird permanent nach ihm gesucht. Jeder von den 20 bis 30 besten Köchen Deutschland war es schon einmal, manche gleich mehrfach.

Ist es möglich, dass sich von dieser Inflationierung einer an sich guten Idee, eine Veranstaltung für sich absetzen kann?

Auf der ANUGA im Oktober 2011 errang der damals selbst in Fachkreisen noch weitgehend unbekannte Sebastian Frank den Titel bei einer Veranstaltung, die von sich selbst behauptete, einen völlig anderen Weg zu gehen als die vielen arrivierten Auswahlgremien. Einen Monat später zeichnete der Michelin die Küchenleistung von Sebastian Frank in seinem Berliner Lokal Horvath mit einem Stern aus.

Dieser Wettbewerb umfasst alle deutschsprachigen Länder. Zugelassen sind nur Profi – Köche, die sich bewerben und dann ein Auswahlverfahren überstehen müssen müssen.

Koch des Jahres auf der ANUGAIn verschiedenen Vorentscheidungen müssen sie Menüs kochen und diese von einer Jury bewerten lassen, die nicht weiß, welcher Koch welches Menü gekocht hat. Die Gewinner dieser Vorentscheide treten dann auf der ANUGA zum großen Finale an. Vor einem großen Publikum kochen sie ein Amuse Bouche und ein Drei – Gang – Menü, welches nicht mehr als 16 € kosten darf und das sie völlig eigenständig entwickeln müssen. Die Juroren verkosten dann quasi blind die ihnen in einem separaten Raum gebrachten Teller.

Aber das sind Juroren von Rang, die für ihre Leistung allesamt bereits seit Jahren „besternt“ sind: Dazu gehörten in diesem Jahr Dieter Müller, Thomas Bühner, Dirk Luther, Christopher Wilbrand, Lea Linster aus Luxemburg, der Kölner Lokalmatador Erhard Schäfer und auch der letzte Gewinner Sebastian Frank.

Dieser Wettbewerb zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus: Fairness und Transparenz. Keine anonyme Jury sucht sich im Hinterzimmer einen Namen aus, „der es in diesem Jahr doch endlich mal werden muss“. In diesem Auswahlmodus zählt der Wettbewerb! Erstaunlich daran ist jedoch, dass diese Idee zuerst in Spanien ausprobiert und dann nach Deutschland exportiert wurde. Die spanische Verlagsgruppe Grupo Caterdata S. L. zeigt den Deutschen Gourmets wie es besser geht!

Die große Bühne der Culinary Stage auf der ANUGA war dann auch die „Bühne“ für den „finalen“ Wettbewerb. Die zahlreichen Plätze waren bestens besetzt. An den Seiten waren Tische aufgebaut, auf denen die Teller – Kreationen der Finalisten für alle zu besichtigen waren. Dort staute sich das Publikum. Die Blitze der Kameras zuckten, mit Armen und Händen wurde über die Teller hinweg gestikuliert und noch eifriger diskutiert.

Gewonnen hat in diesem Jahr Christian Sturm-Willms, Küchenchef des Yu Sushi Restaurant im Bonner Kameha Grand. Mit seinen 26 Jahren hat er die Zukunft als Koch – Künstler noch vor sich.

Ich hoffe sehr, dass sich dieser Wettbewerb immer stärker in das Bewusstsein der deutschen Kochelite festsetzt, damit sich zukünftig auch Köche aus zahlreichen der bedeutenden Restaurants bewerben. Ein Publikumsmagnet ist er schon jetzt!

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