Es war einmal in Trinidad!

Das Romantic Dinner im Hotel Iberostar

Sie ist eines der berühmtesten kubanischen Städte, sogar Weltkulturerbe, was auf dieser Insel noch etwas heißt, denn damit fließen Gelder zur Restaurierung, selbstverständlich von uns, damit wir als zahlende Touris deren Verwendung auch genießen können. Das beste Hotel der Stadt gehört zur höchsten Kategorie der es betreibenden spanischen Hotelkette. Und in der Tat, das Hotel hält erstaunlicherweise auch das, was es im Prospekt und mit der Einstufung verspricht: spanischer Kolonialstil, bestens restauriert und mit einer modernen Einrichtung verbunden. Der Gast fühlt sich aufgehoben.
Auch das Restaurant ist prächtig erneuert. Vor seinem Eingang wird auf einer Tafel Werbung für ein besonderes kulinarisches Ereignis gemacht. Ein Romantic Dinner wird angepriesen, doch nicht nur das, beim Lesen der Menükarte offenbart sich Erstaunliches. Es ist das anspruchsvollste Menü, das ich jemals auf Kuba zu Gesicht bekommen habe. Ich war ziemlich baff, las die Ankündigung ein zweites Mal, aufkommende Zweifel in die Realisierbarkeit dieses Menüs wurden durch mein wachsendes Interesse unterdrückt. Ich buchte sofort für mich und meine Frau.

Es wurde ein wahrhaft unvergesslicher Abend.

Ambiente

TrinidadZwei echte rote Nelken, eine echte Kerze, rechts und links und vor uns 14 Besteckteile, große Stoffservietten (alles absolute Seltenheiten auf Kuba), ein großer runder Tisch mit bequemen Stühlen, blinkende Weihnachtsbeleuchtung, Klavier und Flötenbegleitung (in Kuba zumeist normal), eine kräftige Klimaanlage und drei freundliche Servicemitarbeiter (die wohl erstmalig dieses Menü zu servieren hatten) – wir befanden uns inmitten einer echten Reality-Show.

Stilistik und Ablauf des Menüs

Es begann mit einem Kir Royal, zu dem auch ein einfacher spanischer Cava durchaus passen kann, wenn er – wie hier genossen – mit dem Saft einer kubanischen Frucht versetzt wird, wobei die Frage nach der konkreten Frucht unbedeutend ist, denn erstens gibt es davon zahlreichliche bei uns noch ziemlich unbekannte, und zweitens sollte der Beginn eines derartig romantischen Dinners nicht gleich mit völlig deplatzierter Mäkelei begonnen werden, denn man beachte: der Koch kannte Kir Royal, wird aber in seinem Leben noch niemals die Möglichkeit gehabt haben, selber Champagner und Cassis zu trinken.

TrinidadDer erste Gang war als klassisches Amuse gedacht, indessen ein Käsegang als Beginn? Vielleicht werden Sie meinen, dass der Koch damit eigentlich wohl etwas verwechselt hat. Aber gemach, gemach. In Kuba sind echte Zufälle so selten, wie in Deutschland ehrliche Antworten von Politikern.

Nach dem Menü hatten wir die Gelegenheit, uns ausführlich mit dem Chefkoch und Kreationisten des Menüs Yoanki Rangel Castellano auszutauschen. Seine dabei geäußerten Gedanken lasse ich in meinen Bericht hier einfließen.

Zurück zum Käsegang als Amuse: Erstens gab es auf Kuba gerade Cheddar, Manchego und Roquefort. Aber weshalb und woher und überhaut wieso? Kein Kubaner würde derartige Fragen stellen, er würde sich einfach freuen, aber den westlichen Touris ist diese urtümliche Art der Freude abhanden gekommen. Dem Chefkoch jedoch nicht, denn er versicherte uns, mit diesem rein europäischen Gang seine Gäste durch einen ersten Genuss auf vertrautem Terrain für seine folgenden Kochkünste aufschließen zu wollen, also gerade nicht im westlichen Sinne abzuschließen. Die drei beigefügten Rosinen, fünf Streifen von getrockneten Aprikosen und 3 süße kleine Gurkenjulienne waren herzallerliebst. Jeder Kubaner hätte sich darüber ehrlich gefreut, und selbstverständlich über das Fehlen der auf der Karte angekündigten Konfitüre großzügig hinweggesehen, obgleich diese in den umliegenden Geschäften durchaus angeboten wurde, wenn – ja wenn – das Menü nicht das Doppelte seines normalen Monatslohnes gekostet hätte. Indessen fehlt uns Westlern ein klein wenig das Einfühlungsvermögen für kulinarische Bemühungen auf Kuba.

TrinidadDer zweite Gang wurde dann bereits ein wundervolles Beispiel kubanischer Improvisationskunst auch in der Kulinarik. Die Gazpacho war geschmacklich völlig in Ordnung, die Panade bei dem Tempura recht aromatisch, aber der Service wusste mit meiner Frage, woher diese stammt, nichts anzufangen. Doch nun die Kreativität. Dazu gab es Räucherlachs, Streifen von Weißkohl und grünem Salat mit einer enormen Portion von kubanischer Mayonnaise aus dem Glas, sowie drei Toastvierecke umrundet von Balsamico und Olivenöl. An dieser Zusammenstellung ist zweierlei zu erkennen: erstens das aktuelle Angebot in den kubanischen Devisengeschäften (andere gibt es so gut wie gar nicht mehr) und zweitens das saisonale bäuerliche Angebot.

TrinidadÄhnlich kreativ ging der Koch dann auch mit den beiden folgenden Gängen um, indem er beide gekonnte zu einem kombinierte. Auf die cremige Suppe waren genau zwei gegrillte halbierte Spargelabschnitte aufgelegt. Zuerst das Positive: der Gang war riesig ausgelegt und es war durchaus ein Hauch von Käsearoma zu erspüren. Das Negative: Falls Sie wirklich alles ganz genau wissen wollen, fahren Sie doch einfach selber einmal nach Trinidad!

Mit dem Spargel wurde uns auch das wohl schwierigste Unterfangen der Mannschaft des Chefkochs recht bewusst: Wie ist bei einem Gourmet-Menü der Dosengeschmack aus dem Spargel (und anderen Produkten) herauszubekommen? Um schon an dieser Stelle ein vorläufiges Fazit zu ziehen: Das Bemühen war deutlich zu erkennen!

Das auf der Karte eigentlich als fünfter Gang aufgeführte Millefeuilles of King crab wurde durch eine besonders große Portion des Hauptgerichts weitgehend ausgeglichen. Da ich nach sieben Jahren Kuba über ausreichend Erfahrungen mit der kubanischen Verfasstheit in der Allokation von Gütern des nicht täglichen Bedarfs verfüge, und meine Frau als Kubanerin sowieso, fragten wir beim Service erst gar nicht nach, um die jungen Damen in ihrer Freude beim Servieren dieses für sie wahrlich ungewöhnlichen Erlebnisses nicht zu derangieren.

TrinidadZuvor kam jedoch ein handgerührtes echtes Sorbet von kubanischer Minze und kubanischem Rum, also mit dem Mojito durchaus auch kulinarische Romantik in einer Qualität, die uns wieder aufheiterte, nicht weil originell sondern original!

Dann jedoch der absolut einmalige Höhepunkt: Rossini aus einem Kochbuch kreativ nachgestaltet. Hier nur unsere Anmerkungen (um Gottes Willen keine kritikasterhaften Fragen!) und die Antworten des Kochs:

Auf dem Tournedo keine Foie gras sondern Kürbis – die Foie gras ist in der Sauce eingearbeitet.

TrinidadDas Kartoffelpüree aus der Packung – aber nein, echte Kartoffeln, das müssten wir als Gourmet doch geschmeckt haben! Eben …

Das Filet längst zur Faser geschnitten, wir hatten medium bestellt, war außen durch, innen englisch – das ist der echte kubanische Stil, den er seit Jahren praktiziert.

Keine Fragen mehr zur Reality-Show.

TrinidadDas Dessert war in echter kubanischer lyrischer Sprache angekündigt. Die danach aufgeführten Pralinen kamen gleichzeitig, aber mit Rosenblättern und so schön, dass wir sowohl den Geschmack der warmen Schokoladensuppe (ohne das Püree, dafür jedoch mit großen Stücken) als auch den der Pralinen hier glatt unterschlagen können.

Fazit

Wir hatten uns auf ein Abenteuer eingelassen, und es wurde eines. Bei einem derartigen kubanischen Dinner kommt es ganz allein auf die innere Einstellung an. Wir wollen eine Show und die bekamen wir auch. Es war die preisgünstige Comedy-Show, die wir jemals erlebt haben und in der wir sogar auch noch selber Akteure waren Vielleicht werden Sie es nicht glauben, aber wir verließen dieses Restaurant heiteren Gemüts.

Restaurant im Hotel Iberostar in Trinidad
Calle José Marti Nr. 262 esquina Lino Pérez
Trinidad
Kuba

www.iberostar.com

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