Erlebnis – „Pisco sour“

Ein Peruanisches Nationalheiligtum

Für einige Tage hatte ich mich in Lima im Hotel Country Club einquartiert. Am ersten Abend, noch erschöpft vom vielstündigen Flug, nahm ich in der Hotelbar noch einen Schummertrunk. Ich erwartete eine normale Hotel – Bar und erlebte eine Legende.

Die Bar war imposant: englisch eingerichtet mit einer kompletten Holztäfelung und tiefen Ledersesseln. In diesen saßen oder standen an der kleinen Theke Damen mit high heels sowie mit oben und an der Seite tiefausgeschnittenen Kleidern, Herren in Uniformen mit roten Streifen an den Hosen und gold klimpernden Orden, ziemlich schräg gekleidete Künstlertypen, selbstbewusst blickende Managertypen im Zweireiher und kichernde Japanerinnen. Wo war ich hier gelandet? Und eigenartig war, dass alle dasselbe Getränk in ihren Händen hielten: Ein Rotweinglas aber gefüllt mit einer blassgrünen Flüssigkeit, auf der sich eine weiße Krone befand.

Ohne mich zu fragen stellte Barmann auch vor mir ein solches Glas hin. Ich fragte, was für ein Drink dies sei, verstand ihn aber nicht genau und hackte nach:

Pisco sour!

Pisco SourFragend schaute ich ihn an, und in der nächsten Stunde erfuhr ich alles über eine peruanische Institution. Was den Kubanern ihr Rum und den Mexikanern ihr Tequila ist den Peruanern ihr Pisco. Er ist in Peru so beliebt wie in Schottland der Whisky, aber vielfältiger zu trinken. Ähnlich dem Weinbrand ist es ein Destillat aus Traubenmost, also ein Brand, aber es ist viel mehr. Es ist ein Nationalheiligtum und – darauf schwören die Peruaner – der beste Hochprozentige für Cocktails, von denen aber nur einer der einzig echte ist: Pisco sour. Er schmeckte leicht zitronig, ein wenig kam die Erinnerung an frühere Limonaden auf, die mir damals allerdings nicht so in die Glieder gefahren waren, wie jetzt dieser Pisco sour.

Während des Gespräches fragte ich nach immer weiteren Details und genoss dabei jeden der vier Pisco sour, die anstandslos vor mir hingestellt worden waren. Irgendwie hatte ich es geschafft, den Barmann zu beeindrucken, denn für den nächsten Vormittag erhielt ich eine Einladung zu einem exklusiven Einführungskurs im Pisco  sour Mixen.

Was ich bis dahin nicht wusste war, dass mich der berühmteste Bartender Perus, Felipe Melendez Torres, eingeladen hatte. Am Vormittag erhielt in der Hotelbar „Perroquet“ einen Crashkurs im Cocktail – Mixen mit dem Peruanischen Nationalgetränk Pisco.

Mit gerade einmal 18 Jahren lernte dieser ältere Herr, den alle Welt nur „Chino“ nennt, von seinem Vater, schon damals ein bekannter Bartender in Lima, wie ein richtiggehend guter Cocktail zu mixen ist. Nach einigen Jahren war er selber ein bereits angesagter Bartender. Seit über 15 Jahren leitet er nun bereits die Bar in einem der besten Hotels von Lima. Er gewann den Wettbewerb um den Titel „Best Pisco Sour in Peru“ und seine Bar wird regelmäßig im Ranking der besten peruanischen Restaurants und Bars auf den ersten Platz gesetzt.

Pisco SourEr demonstrierte mir verschiedene Mix – Varianten mit Pisco, darunter auch den Piscp Punch, eine süßliche mit Ananassaft, trank aber selber rein gar nichts, während ich Sorgen um meinen Vormittag hatte.

Der Pisco ist in Peru entstanden und sein Name ist dort geschützt. Er darf nur aus Trauben gewonnen werden, die in Peru geerntet wurden. Für einen Liter Pisco werden 8 – 10 kg Weintrauben benötigt. Es gibt aromatische – ( Italia, Torontel, Albilla, Moscatel) und nicht-aromatische (Quebranta, Negra Criolla, Mollar, Uvina ) Sorten. Pisco Puro wird aus einer einzigen Rebsorte hergestellt. Pisco Acholado ist eine Melange aus verschiedenen Sorten, die vollständig von der Erfahrung und der Geschichte der Bodega abhängt. Der Pisco Mosto Verde ist eine dritte Variante. Er wird noch vor der endgültigen Gärung der Trauben destilliert, woraus ein besonders samtiger Geschmack entsteht. Das Destillat ist glasklar und hat zwischen 38 und 48 Prozent.

Hier das originale Rezept für den „Pisco Sour“.

Traditional Pisco Sour

By Roberto Melendez, Bar Manager of the Country Club Lima Hotel

Method: Shake

Function: Snack

Properties: Semi dry

Glassware: 8 ounces Cup

Decoration: 3 drops of Angostura Bitter

Ingredients:

  • 4 ounces of Pisco Puro Quebranta
  • 1 ounce of lemon juice
  • 1 ounce of sugar syrup
  • ¼ ounce of egg white
  • 4 ice cubes
  • 3 drops of Angostura Bitter

Preparation: In a shaker or blender, place the ingredients in the order of the recipe (Pisco, juices and ice). Beat 8 to 10 seconds in a shaker or 5 to 6 seconds in blender. Serve and strain with the bug strainer into the cup previously frozen. Best served in cocktail glasses on 2 times: serve the cocktail in the middle of the cup and then complete).

Decoration: 3 drops of Angostura Bitters over the cocktail.

 

Und zur Abwechslung auch das Punch Rezept:

Pisco Punch

By Roberto Melendez, Bar Manager of the Country Club Lima Hotel

Method: Direct

Function: Snack

Properties: Semi dry

Glassware: Globe Cup

Ingredients:

  • 2 ounces of Pisco Italia
  • 1 ounce of pineapple syrup
  • 4 ounces of pineapple infusion
  • 1 ounce of sour mix (1 teaspoon of sugar with ¾ of lemon juice)
  • 4 ice cubes
  • 20 grams of diced pineapple
  • 01 red maraschino cherry

Preparation:

  • For pineapple syrup: Place the pineapple pieces with sugar syrup (40 grams of pineapple with 8 ounces of sugar syrup and marinate for 3 to 4 days).
  • For the pineapple infusiom: Boil in 2 liters of water the skin of a pineapple.
  • Place directly in a cup the  pineapple pieces and all the ingredients in the recipe.
  • Decoration: 1 maraschino cherry red in the glass.

Pisco PunchDiese Pisco Verkostung  ist durch die freundliche Hilfestellung des Peruanischen Generalkonsuls in München, Miguel Guzmán, zustande gekommen!

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