Champagne De Sousa in Avize

Französische Winzer sind ein abgeschottetes Völkchen. Sie halten viel von Tradition und Familie. Beispielsweise gibt es in Burgund gerade einmal ein Weingut (Bertagna), das sich in deutschem Besitz befindet. Selbst in dem inzwischen recht polyglotten Bordeaux bleibt man am liebsten unter sich. Da grenzt es schon an ein Wunder, das ein schlichter portugiesischer Einwanderer erst eine Winzertochter heiraten konnte, dann vor sechs Jahrzenten unter seinem Namen ein eigenes Champagnerhaus gründete, und dieses inzwischen an die Spitze der Familienbetriebe in der Champagne geführt hat.

Bei De Sousa kann ein Champagnebesucher nicht so einfach mal vorbeigehen, klingeln, den Keller besichtigen und ein paar Flasche zur Erinnerung mitnehmen. Selbst große deutsche Importeure erhalten die Flaschen zugeteilt. Auf den ca. 10 ha eigenen Weinbergen wachsen nicht so viele Trauben, dass damit die Nachfrage befriedigt werden kann. Das ist gut für die Preise von De Sousa Champagner (von etwa 30 € für den einfachsten und um die 150 für den besten), aber das hält die Familie von Erik mit Ehefrau Michelle, Töchter Charlotte und Julie sowie Sohn Valentin aber das ganze Jahr rund um die Uhr ganz schön auf Trab.

Champagne De Sousa in AvizeIn der heutigen Zeit können allein mit einer herausragenden Qualität (Siehe dazu das ausführlichste deutsche Buch über den Champagner von Gerhard Eichelmann, 2015 Mondo Verlag/ Heidelberg, in dem nicht nur die Familie und ihre Weinberge sowie die Herstellungstechniken anschaulich beschrieben sind, sondern auch die Qualitätsunterschiede.) nicht dauerhaft hohe Preise erzielt werden. Auch als Familienwinzer muss man im Gespräch bleiben. Deshalb entwickelt Erik De Sousa immer wieder einmal einen neuen Cuvée. In diesem Jahr hat er einen Organic Brut Rosé herausgebracht. Erik hat bei mir – unverlangt – angefragt, ob er mir eine Flasche zur Verkostung zusenden könnte, und ich „eventuell“ auch darüber schreiben würde.

Ich antwortete ihm, wenn meine Frau sich an einem Abend mit mir sowie mit der Musik von Maurice Ravel Zeit nimmt, und der Champagner gelungen ist, aber gern! Lesen Sie hier das Resultat:

  • Nach dem Eingießen bitte einige Momente warten, bevor das Glas an Nase und Mund herangeführt wird, es steigt viel Gas hervor.
  • Erster Eindruck vom Bukett ist angenehm mit leicht holzig-rauchigen Noten, was verständlich ist, da diese Rose fast ausschließlich aus Chardonnay-Trauben vinifiziert worden ist.
  • Der erste Schluck bestätigt diesen Eindruck, zugleich kommt eine feine Perlung hinzu, die die beim Champagner erwünschte prickelnde Frische hervortreten lässt. Die Perlung hält sich auch einige Minuten noch im Glas, wenngleich sie schwächer wird.
  • Sodann legt sich eine kleine bittere Note auf die Zunge, die aber angenehm mineralisch eingepackt ist – jedenfalls für meine Wahrnehmung! Dazu fügen sich auch am Gaumen Erdbeer-Aromen an.
  • Die Nase bleibt auch beim zweiten Glas fruchtig. Die Beerennoten kommen sehr schön in allen Bereichen des Gaumens durch, und der gesamte Mund wird ohne jegliche Fehltöne erfüllt.
  • Abgrenzung: Für den Preis kann kein „Vintage-Erlebnis“ erwartet werden, aber im Vergleich zu anderen preislich ähnlichen Rosés liegt dieser Rosé einfach angenehmer am Gaumen, behält länger seine Wirkung und er wirkt nicht industriell, ganz und gar nicht sogar, denn wie alle Champagner von Sousa ist  er ein handwerkliches Produkt, nicht glattgestrichen und auf Mainstream gemacht, sondern mit Eigenheiten versehen, die allerdings nicht beim ersten Schluck hervortreten und für die auch Erfahrung mit Champagner erforderlich ist.
  • Im Prospekt führt Sousa auch zahlreiche Wertungen von Fachmagazinen u, ä. an. Es fehlt in dieser Liste jedoch der wichtigste Deutsche, nämlich der „Eichelmann“. Wenn Sous in Deutschland besser verkaufen will (allerdings siehe den Hinweis auf die Mengenbegrenzung oben) dann muss er den diesen in seine Liste der internationalen Wertschätzungen mit aufnehmen, auch wenn das Buch von Gerhard Eichelmann „Champagne“ nicht gerade billig ist, doch Sousa ist es auch nicht und wer billigen Champagner trinken möchte dem bieten Aldi und Lidl unbegrenzte Mengen an, in arg begrenzter Qualität: Neid ist geil aber geschmacklos!

SARL Champagne de Sousa
8, rue du Marché

Oder

12, Place Lón Bourgeois
51190 Avize
France

www.champagnedesousa.com


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